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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Entwicklung und Validierung eines Fragebogens zur Messung der digitalen Reife in der hausärztlichen Versorgung

Timo Neunaber - Universität Witten/Herdecke, Lehrstuhl für Gesundheitsinformatik, Witten, Deutschland
Achim Mortsiefer - Universität Witten/Herdecke, Lehrstuhl für Allgemeinmedizin II und Patientenorientierung in der Primärversorgung, Institut für Allgemeinmedizin und Ambulante Gesundheitsversorgung (iamag), Witten, Deutschland
Sven Meister - Universität Witten/Herdecke, Lehrstuhl für Gesundheitsinformatik, Witten, Deutschland; Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik, Abteilung Gesundheitswesen, Deutschland

Text

Hintergrund: Hausarztpraxen sind ein zentraler Bestandteil der Gesundheitsversorgung, stehen jedoch im Zuge der digitalen Transformation vor wachsenden organisatorischen, technologischen und personellen Herausforderungen. Mit Reifegradmodellen kann ihr Digitalisierungsstand erfasst und eine Grundlage für die Weiterentwicklung der Organisationen geschaffen werden.

Zielsetzung/Fragestellung: Wie kann die digitale Reife von Hausarztpraxen gemessen werden, um Rückschlüsse über den Entwicklungsstand ihrer digitalen Transformation ziehen zu können?

Material & Methoden: Das übergeordnete Studiendesign zur Entwicklung des Messinstruments (Fragebogen) folgte einem explorativen Mixed-Methods-Ansatz nach Creswell. Die initialen Dimensionen wurden durch Experteninterviews identifiziert. Die weitere Konstruktion des Messinstruments folgte Empfehlungen zur validen, reliablen und objektiven Test- und Fragebogenkonstruktion und schloss mit einer explorativen sowie konfirmatorischen Faktorenanalyse ab. Ergänzend erfolgte eine Umfrage zu Nutzungsmotiven von Reifegradmessungen.

Ergebnisse: Es wurde ein Fragebogen mit sechs Dimensionen und insgesamt 16 Items entwickelt und validiert (Cronbach-α = 0,809). Der durchschnittliche digitale Reifegrad der untersuchten Praxen lag bei 3,77 von 5 Punkten, wobei die höchste Reife im Bereich IT-Sicherheit und Datenschutz (MW = 4,45; SD = 0,61) und die niedrigste im Bereich der wahrgenommenen Auswirkungen der Digitalisierung (MW = 3,1; SD = 1,0) festgestellt wurde. Hausärztinnen und Hausärzte zeigten ein besonderes Interesse an Reifegraderhebungen, wenn diese mit konkreten Handlungsempfehlungen für die Praxisdigitalisierung kombiniert werden (MW = 4,05; SD = 1,12).

Diskussion: Mit dem Fragebogen wurde erstmals ein wissenschaftlich validiertes Instrument zur Messung der digitalen Reife von Hausarztpraxen bereitgestellt. Niedrig bewertete Dimensionen wie die wahrgenommenen Auswirkungen der Digitalisierung deuten auf eine bislang unzureichende Integration digitaler Lösungen in den Praxisalltag hin. Um die Nutzung von Reifegradmessungen zu erhöhen, sollten sie außerdem weniger als statisches Bewertungsinstrument, sondern vielmehr als entwicklungsorientierte Unterstützung der digitalen Transformation fungieren.

Take Home Message für die Praxis: Der entwickelte Fragebogen versetzt Hausarztpraxen in die Lage, den Fortschritt ihrer digitalen Transformation zu messen, sich mit anderen Praxen auszutauschen und Optimierungspotenziale der eigenen Digitalisierung zu erkennen.

Interessenkonflikte: Keine