Logo

Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Routinedatenerhebung aus Praxisverwaltungssystemen – Stand der Digitalisierung in Deutschland

Patrick Schmutz - Hochschule Reutlingen, Reutlingen Research Institute, Reutlingen, Deutschland
Sandra Wickner - Hochschule Reutlingen, Reutlingen Research Institute, Reutlingen, Deutschland
Leonor Heinz - Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, Deutschland
Gitte Siegel - Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, Deutschland
Christian Thies - Hochschule Reutlingen, Reutlingen Research Institute, Reutlingen, Deutschland

Text

Hintergrund: Die standardisierte Sekundärnutzung von Routinedaten bietet ein hohes Potenzial für die Gesundheitsforschung. Während der COVID-19-Pandemie zeigte sich, dass Länder wie Schweden oder Großbritannien dank etablierter Standards schnell belastbare Versorgungsdaten bereitstellen konnten. In Deutschland fehlt bislang eine vergleichbare, bundesweit verfügbare Routinedatenerhebung aus Praxisverwaltungssystemen (PVS).

Zielsetzung/Fragestellung: Welche Methoden eignen sich zur digitalen Erschließung hausärztlicher Routinedaten für die Forschung? Wie kann eine generische Lösung geschaffen werden?

Material & Methoden: In verschiedenen allgemeinmedizinischen Studienprojekten u.a. zur Teledermatologie, sowie in der Initiative DEGAM-ForNet zeigte sich ein wiederkehrender Bedarf an der Routinedatenextraktion. Auf Basis von Anforderungsanalysen, praktischen Implementierungen und Planungen wurden übergreifende und projektspezifische Herausforderungen identifiziert und teilweise adressiert.

Ergebnisse: Im Projekt TeleDerm konnten über die Konfiguration der Gerätedatenträger‑Schnittstelle in 17 PVS in 40 Praxen Patientenstammdaten und ICD-10-Codes exportiert werden. Die Umsetzung war teils nur mit Unterstützung der Hersteller möglich. Der Primärparameter, die Anzahl fachärztlicher Überweisungen, musste manuell erhoben werden. Im Forschungspraxennetz Baden-Württemberg wurde Routinedaten-basiertes Case Finding umgesetzt. Exporte erfolgten je nach PVS in unterschiedlichen Formaten (u. a. KVDT, Adresslisten) und erforderten projektspezifisches Mapping. Auch in den neu startenden Studien in der Initiative DEGAM-ForNet spielt die Routinedatenextraktion eine zentrale Rolle. Erste Erfahrungen werden berichtet.

Diskussion: Bereits die grundlegende Verfügbarmachung von Routinedaten stellt im ambulanten Sektor eine erhebliche Herausforderung dar. Es besteht ein deutlicher Bedarf an einheitlichen Standards für Erhebung und Bereitstellung. Gleichzeitig ermöglicht die Initiative DEGAM-ForNet die Entwicklung projektbezogener Schnittstellen und perspektivisch generischer Integrationslösungen in Kooperation mit Softwareanbietern.

Take Home Message für die Praxis: Flächendeckend standardisierte Lösungen zur Nutzung hausärztlicher Routinedaten sind in Deutschland bislang nicht etabliert. Während Primärdaten über Forschungsinfrastrukturen wie die der Initiative DEGAM-ForNet erhoben werden können, erfordert die Sekundärnutzung weiterhin individuelle PVS-Schnittstellen – bietet jedoch zugleich die Chance zur Entwicklung einer nachhaltigen, generischen Lösung.

Interessenkonflikte: Keine