Logo

Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Interprofessionelle Diagnostik außerhäuslicher gehbezogener Teilhabe nach Schlaganfall: kontextsensitive Toolkit-Entwicklung

Claudia Pott - Technische Hochschule Rosenheim, Forschung, Entwicklung und Transfer, Rosenheim, Deutschland
Denise Leonhardt - Technische Hochschule Rosenheim, Forschung, Entwicklung und Transfer, Rosenheim, Deutschland
Marlene Egger - Technische Hochschule Rosenheim, Fakultät für Angewandte Gesundheits- und Sozialwissenschaften, Rosenheim, Deutschland
Jürgen Langemeyer - Schlaganfall-Ring Schleswig-Holstein e.V., Deutschland
Daniela Koller - Ludwig-Maximilians-Universität München, Medizinische Fakultät, Institut für Medizinische Informationsverarbeitung, Biometrie und Epidemiologie, München, Deutschland
Petra Bauer - Technische Hochschule Rosenheim, Fakultät für Angewandte Gesundheits- und Sozialwissenschaften, Rosenheim, Deutschland

Text

Hintergrund: Außerhäusliches Gehen nach Schlaganfall ist zentral für Soziale Teilhabe und Ziel der ambulanten Schlaganfallnachsorge. Strukturelle Barrieren in der interprofessionellen Rehabilitation, Heil- und Hilfsmittelversorgung können sich ebenso wie personbezogene Faktoren negativ auswirken. Gleichzeitig ist wenig darüber bekannt, wie außerhäusliche gehbezogene Teilhabe im ambulanten Setting diagnostiziert wird.

Zielsetzung/Fragestellung: Ziel ist die ko-kreative kontextspezifische Bottom-up-Entwicklung eines Toolkits zur Verbesserung der interprofessionellen Diagnostik außerhäuslicher gehbezogener Teilhabe für die Schlaganfallnachsorge.

Material & Methoden: Die Studie umfasst drei sequenzielle Phasen: (1) ein integratives Review, (2) Fokusgruppendiskussionen sowie (3) eine Zukunftswerkstatt. Als theoretische Grundlage dienen das Determinantenmodell interprofessioneller Zusammenarbeit sowie das auf der Internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit und einer Verhaltenstheorie basierende Modell des außerhäuslichen Gehens. Die Datenanalyse erfolgte mittels Qualitätsbewertung (Phase 1) und qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring (Phasen 1–3).

Ergebnisse: Das Integrative Review verdeutlicht, dass außerhäusliches Gehen ein komplexes Verhalten darstellt, das motorische Fähigkeiten, Selbstwirksamkeit, Sturzangst, adaptive Bewältigungsstrategien und Umweltfaktoren integriert. Eine ICF-basierte interprofessionelle Diagnostik sollte Assessments im Lebensumfeld berücksichtigen. In 5 Fokusgruppen mit 25 Teilnehmenden wurde deutlich, dass Teilhabe im Außenraum nicht systematisch erfasst wird und Zugehörige koordinierende Aufgaben im Versorgungssystem übernehmen. Prognose wurde als bislang wenig berücksichtigtes Thema identifiziert. In der Zukunftswerkstatt entwickelten 23 Co-Forschende Aktionspläne: Assessment-Koffer, interprofessionelle Hausbesuche, digitale Kommunikation und einen Teilhabe-Fahrplan.

Diskussion: Die Ergebnisse weisen auf Defizite bei der Diagnostik in der ambulanten Schlaganfallnachsorge hin, insbesondere hinsichtlich fehlender Kommunikationsstrukturen, unklarer Zuständigkeiten, mangelnder Standardisierung sowie fehlender performanzbasierter, ökologisch valider Assessments.

Take Home Message für die Praxis: Ein praxisnahes Toolkit kann Health Professionals unterstützen, außerhäusliche gehbezogene Teilhabe strukturiert zu diagnostizieren und interprofessionelle Interventionen zu koordinieren. Auf Basis dieser Ergebnisse und unter Berücksichtigung aktueller weiterer Forschungsergebnisse entwickeln wir das kontextspezifische Toolkit.

Interessenkonflikte: Keine Interessenskonflikte.