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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Ansätze zur quantitativen Erfassung von Hate Speech als Form digitaler Gewalt in der Public-Health-Forschung

Marleen Bug - Robert Koch Institut, Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring, Deutschland
Jens Hoebel - Robert Koch Institut, Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring, Deutschland
Carmen Koschollek - Robert Koch Institut, Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring, Deutschland

Text

Hintergrund: Diskriminierung wird mittlerweile als bedeutsame soziale Determinante der Gesundheit anerkannt. Im Zuge der Digitalisierung weitet sich Diskriminierung zunehmend auf den digitalen Raum aus, wo sie in Form von Hate Speech neue Erscheinungsformen annimmt. Studien zeigen, dass digitale Gewalt, ähnlich analoger Gewalt, mit erheblichen psychischen und körperlichen Belastungen einhergeht. Dennoch bestehen in der Public Health-Forschung weiterhin konzeptionelle und methodische Entwicklungspotenziale, insbesondere hinsichtlich der Begriffsdefinition, Operationalisierung und standardisierten Erfassung digitaler Gewalt sowie ihrer gesundheitlichen Folgen.

Zielsetzung/Fragestellung: Ziel des Beitrags ist es, konzeptionelle Ansätze zur quantitativen Erfassung von Hate Speech in der Public Health-Forschung darzustellen und zentrale Herausforderungen bei der Operationalisierung sowie mögliche Lösungsansätze dafür aufzuzeigen.

Material & Methoden: In einem Scoping Review wurden Erhebungsinstrumente zur Erfassung von Hate Speech identifiziert. Im Fokus stehen Instrumente, die unterschiedliche Dimensionen (z.B. Häufigkeit, Diskriminierungskategorien) abbilden. Ergänzend werden Ergebnisse aus kognitiven Pretests präsentiert, in denen Instrumente auf Verständlichkeit, Interpretationsspielräume und Akzeptanz geprüft wurden.

Ergebnisse: Die bisherigen Erkenntnisse verdeutlichen, dass Hate Speech differenziert erfasst werden muss, um valide Aussagen zu gesundheitlichen Auswirkungen zu ermöglichen. Insbesondere zeigen sich Herausforderungen bei der Abgrenzung zu verwandten Phänomenen (z.B. Cyberbullying) sowie bei der Erfassung der Häufigkeit. Zudem gehen wir davon aus, dass sich die Wahrnehmung von Hate Speech je nach Perspektive (Betroffene, Beobachtende, Ausübende) unterscheidet.

Diskussion: Die Befunde unterstreichen den Bedarf an konzeptionell fundierten und standardisierten Instrumenten zur Erfassung digitaler Gewalt in der quantitativen Public Health-Forschung. Zentrale Herausforderungen bestehen in der Entwicklung trennscharfer Definitionen, der Berücksichtigung unterschiedlicher Perspektiven sowie im Umgang mit subjektiven Deutungen des Phänomens.

Take Home Message für die Praxis: Für eine evidenzbasierte Public Health ist es zentral, digitale Gewalt systematischer in der Gesundheitsberichterstattung und Forschung zu berücksichtigen. Dafür braucht es validierte Erhebungsinstrumente, die unterschiedliche Perspektiven berücksichtigen, um eine belastbare Datengrundlage zu schaffen.

Interessenkonflikte: Es bestehen keine Interessenskonflikte.