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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Einsatz eines Integritäts-Tools zur Stärkung der Evidenzbasis in einer Meta-Analyse zur therapeutischen Hypothermie bei Neugeborenen mit hypoxisch-ischämischer Enzephalopathie

Anne Fink - Universitätsmedizin Rostock, Rostock, Deutschland; Deutsches Zentrum für Kinder- und Jugendgesundheit, Standort Greifswald/Rostock, Deutschland
Roger F. Soll - Larner College of Medicine at the University of Vermont, Department of Pediatrics, USA; Cochrane Neonatal Group, USA
Tabea Kaul - Universitätsmedizin Rostock, Rostock, Deutschland
Rodrigue Ndabashinze - Universitätsmedizin Rostock, Rostock, Deutschland; Deutsches Zentrum für Kinder- und Jugendgesundheit, Standort Greifswald/Rostock, Deutschland
Jannik Aagerup - Universitätsmedizin Rostock, Rostock, Deutschland; Deutsches Zentrum für Kinder- und Jugendgesundheit, Standort Greifswald/Rostock, Deutschland; University of Sydney, NHMRC Clinical Trials Centre, Sydney, Australien
Kylie Hunter - University of Sydney, NHMRC Clinical Trials Centre, Sydney, Australien
Anna Lene Seidler - Universitätsmedizin Rostock, Rostock, Deutschland; Deutsches Zentrum für Kinder- und Jugendgesundheit, Standort Greifswald/Rostock, Deutschland; University of Sydney, NHMRC Clinical Trials Centre, Sydney, Australien

Text

Hintergrund: Die therapeutische Hypothermie ist für reifgeborene Neugeborene mit hypoxisch-ischämischer Enzephalopathie weit verbreitet, dennoch bestehen Bedenken hinsichtlich der Vertrauenswürdigkeit der zugrunde liegenden Evidenz.

Zielsetzung/Fragestellung: Um die Zuverlässigkeit unseres Cochrane-Reviews zu stärken, haben wir ein Integritäts-Tool (Hunter et al. 2024, DOI:10.1002/jrsm.1738) für die Bewertung aggregierter Daten aus randomisierten neonatologischen Studien adaptiert. Ziel war es, dieses angepasste Tool zu pilotieren und hinsichtlich Durchführbarkeit, Interrater-Übereinstimmung sowie der Fähigkeit zur Identifikation integritätsbezogener Auffälligkeiten zu evaluieren, um belastbarere gepoolte Effektschätzungen zu gewährleisten.

Material & Methoden: Für den Cochrane-Review stellten wir ein Expert:innengremium aus Integritätsspezialist:innen, systematischen Reviewer:innen und Neonatolog:innen zusammen. Gemeinsam wurden alle Items des ursprünglichen Tools iterativ geprüft und angepasst. Das adaptierte Tool wurde anschließend auf eine Pilotstichprobe von 26 eingeschlossenen Studien angewendet. Vier Reviewer:innen bewerteten jede Studie unabhängig voneinander (mindestens zwei pro Studie). Diskrepanzen wurden durch Diskussion oder Einbezug einer dritten Person gelöst. Berichtet werden Durchführbarkeit, Häufigkeit und Art der Konflikte sowie die Erfahrungen der Reviewer:innen.

Ergebnisse: Das adaptierte Tool umfasst fünf Domänen des ursprünglichen Tools für aggregierte Daten. Die Bearbeitung pro Studie erforderte durchschnittlich 30 Minuten. Konflikte traten zu Beginn häufig auf, nahmen jedoch mit wachsender Erfahrung der Reviewer:innen deutlich ab. Die meisten Meinungsverschiedenheiten entstanden in der Domäne, in der Wissen über Rekrutierung, Machbarkeit und Studienkontexte in Ländern unterschiedlichen Einkommensniveaus entscheidend ist. Trotzdem bewerteten die Reviewer:innen das Tool als gut handhabbar und geeignet für aggregierte neonatologische Studiendaten. Von den 26 Studien wies das Tool bei 11 Studien (42%) schwerwiegende Integritätsbedenken, bei 10 Studien (38%) gewisse Bedenken und bei 5 Studien (19%) keine Bedenken aus.

Diskussion: Die Pilotierung zeigt, dass das adaptierte Integritäts-Tool praktikabel ist, einen vertretbaren Zeitaufwand erfordert und Integritätsauffälligkeiten der bewerteten Studien identifizieren kann.

Take Home Message für die Praxis: Die routinemäßige Integration von Integritätsbewertungen in Cochrane-Reviews und darüber hinaus könnte die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz für klinische Leitlinien und die Praxis nachhaltig verbessern.

Interessenkonflikte: Keine