- Conferences Overview
- Gesundheit gestalten
- Zwischen Eigenverantwortung und gesundheitspolitischer Aufgabe: Stakeholder-Perspektiven auf Demenzprävention in Deutschland, Kanada und der Schweiz
Gesundheit gestalten
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen
Gesundheit gestalten
Zwischen Eigenverantwortung und gesundheitspolitischer Aufgabe: Stakeholder-Perspektiven auf Demenzprävention in Deutschland, Kanada und der Schweiz
Text
Hintergrund: Demenz, lange als unvermeidbare Alterserscheinung betrachtet, wird heute als Syndrom verstanden, das sich durch einen aktiven Lebensstil und Prävention verzögern oder teilweise verhindern lässt. Angesichts des demografischen Wandels, steigender Erkrankungszahlen und begrenzter medikamentöser Optionen gewinnen Risikoreduktion und Prävention in Wissenschaft und Gesundheitspolitik an Bedeutung.
Zielsetzung/Fragestellung: Die internationale, interdisziplinäre BEAD-Studie hat untersucht, wie aktuelle Demenzdiskurse von Stakeholdern in Deutschland, Kanada und der Schweiz wahrgenommen werden. Analysiert wurde, welche epistemischen und normativen Argumente genutzt werden, um unterschiedliche Präventionsansätze zu stützen.
Material & Methoden: Im Rahmen des Projekts wurden zwischen November 2021 und April 2023 64 Interviews mit Stakeholdern der Wissenschaft, Politik , Technologieentwicklung, Wirtschaft , Gesundheitswesen und Patientenvertretung durchgeführt.
Ergebnisse: Der Vortrag zeigt auf Basis der Interviewstudie, dass die Stakeholder das Verständnis von Demenz als (teilweise) vermeidbares Syndrom weitgehend teilen, die Gewichtung einzelner Risikofaktoren und die Bewertung der Effektivität verschiedener Präventionsstrategien (Verhaltens- vs. Verhältnisprävention) jedoch variieren. Einige Stakeholder sehen einen gesunden Lebensstil zur proaktiven Vorbeugung demenzieller Erkrankungen explizit als individuelle bürgerliche Pflicht, andere betrachten individuelle Lebensstilentscheidungen als eine Frage der Selbstbestimmung, aus der sich der Staat heraushalten sollte.
Die Förderung bevölkerungsbasierter Prävention (Verhältnisprävention) wird wiederum mit evidenzbasierten, ökonomischen und normativen Argumenten begründet. Kritik richtet sich insbesondere gegen Präventionskonzepte, die ausschließlich auf individuelle Lebensstilmodifikationen abzielen, da dabei soziale und umweltbezogene Risikofaktoren unberücksichtigt bleiben.
Diskussion: Die Studie zeigt, dass Stakeholder nicht nur auf lebensstilbedingte Risikofaktoren und individuelle Bemühungen für den Erhalt der kognitiven Leistungsfähigkeit fokussieren, sondern auch auf Basis wissensbasierter, ökonomischer und normativer Argumente die Bedeutung staatlicher Verantwortung für gesundes kognitives Altern betonen und den Blick auf die sozial- und umweltpolitischen Dimensionen der Demenzprävention lenken.
Take Home Message für die Praxis: Die Vorstellung von Demenz als lebensstilbedingte Erkrankung kann mit individuellen Verantwortungszuschreibungen einhergehen und birgt die Gefahr von Stigmatisierung.
Interessenkonflikte: n/a



