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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Psychosoziale Arbeitsbelastungen und Stressprävention in der deutschen Landwirtschaft: Perspektiven von Milchviehhalter:innen

Kira Schmidt-Stiedenroth - Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin, Medizinische Fakultät und Universitätsklinikum Düsseldorf, Centre for Health and Society, Düsseldorf, Deutschland
Meike Heming - Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin, Medizinische Fakultät und Universitätsklinikum Düsseldorf, Centre for Health and Society, Düsseldorf, Deutschland; Universitätsklinikum Ulm, Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Ulm, Deutschland
Thomas Muth - Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin, Medizinische Fakultät und Universitätsklinikum Düsseldorf, Centre for Health and Society, Düsseldorf, Deutschland
Louisa Scheepers - Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin, Medizinische Fakultät und Universitätsklinikum Düsseldorf, Centre for Health and Society, Düsseldorf, Deutschland; Universitätsklinikum Ulm, Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Ulm, Deutschland

Text

Hintergrund: Die Arbeit in der Milchviehhaltung ist durch hohe physische und psychosoziale Anforderungen sowie spezifische Gesundheitsrisiken geprägt. Trotz wachsender Aufmerksamkeit für die mentale Gesundheit in der Landwirtschaft sind psychosoziale Arbeitsbedingungen von Milchviehhalter:innen in Deutschland bislang unzureichend untersucht, insbesondere im Kontext des Arbeits- und Gesundheitsschutzes.

Zielsetzung/Fragestellung: Welche arbeitsbedingten Stressoren und gesundheitlichen Folgen nehmen Milchviehalter:innen in Deutschland wahr? Wie kann arbeitsbedingter Stress verhindert oder reduziert werden?

Material & Methoden: Es wurden acht leitfadengestützte Interviews mit Milchviehhalter:innen aus NRW und Rheinland-Pfalz zwischen September und Dezember 2025 durchgeführt. Die Auswertung erfolgte anhand der Gioia-Methodologie, bei der die Aussagen der Teilnehmenden zu Konzepten extrahiert und zu übergeordneten Themenfeldern zusammengefasst wurden.

Ergebnisse: Landwirt:innen berichteten vielfältige Stressoren, die in zwei Themenfelder zusammengefasst wurden: 1) dauerhafte mentale Verfügbarkeit und 2) externe, schwer beeinflussbare Faktoren. Branchenspezifische Stressoren umfassen lange Arbeitszeiten aufgrund kontinuierlicher Tierbetreuung, wirtschaftlicher Unsicherheiten (vor allem bzgl. der Milchpreise), sowie steigende Bürokratie. Die enge Verknüpfung von Arbeits- und Privatleben wurde sowohl als Belastung, aber auch als Ressource wahrgenommen. Als gesundheitliche Folgen wurden u.a. Erschöpfung, Schlafprobleme, psychische Belastung sowie Arbeitsunfälle genannt. Präsentismus wurde häufig beschrieben. Barrieren (z.B. fehlende Strukturen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes) sowie Verhaltens- und organisationale Ressourcen (z.B. individuelle Strategien oder Anpassung von Organisationsprozesse) wurden als relevante Aspekte für Präventionsansätze identifiziert.

Diskussion: Die Milchviehlandwirtschaft ist von branchenspezifischen Stressoren geprägt. Milchviehlandwirt:innen berichten über negativen gesundheitlichen Folgen von Arbeitsstress. Effektive Prävention erfordert einen Ansatz, der verhaltensbezogene, organisationale und strukturelle Faktoren integriert sowie die Perspektiven der Landwirt:innen berücksichtigt.

Take Home Message für die Praxis: Stressprävention in der (Milchvieh-)Landwirtschaft sollte praxisnah, partizipativ und mehrdimensional gestaltet werden. Neben (Milchvieh-)Landwirtschaftsspezifischen Stressoren und individuellen Bewältigungsstrategien sind insbesondere strukturelle Verbesserungen und der Ausbau arbeitsmedizinischer Versorgungsangebote entscheidend.

Interessenkonflikte: Keine