Logo

Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Desiderate zu Kipppunkten in die Pflegebedürftigkeit bei alten und hochaltrigen Menschen

Martina Hasseler - Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften – Hochschule Braunschweig/Wolfenbüttel, Fakultät Gesundheitswesen, Deutschland
André Heitmann-Möller - Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften – Hochschule Braunschweig/Wolfenbüttel, Fakultät Gesundheitswesen, Deutschland
Sven Nelson Ruppert - Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften – Hochschule Braunschweig/Wolfenbüttel, Fakultät Gesundheitswesen, Deutschland
Enno Nowossadeck - Robert Koch-Institut, Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring, Fachgebiet Gesundheitsberichterstattung (FG 24), Deutschland
Judith Fuchs - Robert Koch-Institut, Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring, Fachgebiet Gesundheitsberichterstattung (FG 24), Deutschland

Text

Hintergrund: Trotz breiter Diskussionen in der wissenschaftlichen Literatur über den Zusammenhang zwischen sozialen und gesundheitlichen Ungleichheiten ist die Gruppe der Hochbetagten (Menschen ab 80 Jahren) in der Forschung zu Gesundheit und Langzeitpflege nicht ausreichend vertreten. Insbesondere bleibt unklar ab wann ein Kipppunkt eintritt, der unumkehrbar in den dauerhaften Zustand der Pflegebedürftigkeit führt.

Zielsetzung/Fragestellung: Der Vortrag verfolgt die Frage, ob ein Kipppunkt oder mehrere Kipppunkte im fortschreitenden Alterungsprozess identifiziert werden können, an dem die Pflegebedürftigkeit eintritt und nicht mehr rückgängig gemacht werden kann.

Material & Methoden: Basierend auf vier Leitfragen wurde ein Scoping Review mit deutschen und englischen Suchbegriffen der Literatur der letzten 10 Jahre durchgeführt. Die Recherche erfolgte im Dezember 2022 und Januar 2023 in einschlägigen Datenbanken. Zusätzlich erfolgte eine manuelle Suche. Eine Aktualisierung wurde im April 2025 vorgenommen.

Ergebnisse: Hochbetagte sind in der Forschung zu sozialen und gesundheitlichen Ungleichheiten und deren Auswirkungen auf Gesundheit und Pflege noch immer nicht ausreichend vertreten. Es wurden Hinweise auf Ungleichheiten in der Versorgungsgestaltung gefunden. Marktbasierte Gesundheits- und Pflegesysteme scheinen diese häufiger aufzuweisen. Zudem bauen sie stärker auf Familienstrukturen auf. Deutlich wird, dass Systemstrukturen Ungleichheiten in Gesundheit und Pflege sowie bei niedrigen Einkommensverhältnissen begünstigen.

Diskussion: Ein eindeutig definierter Kipppunkt in die Pflegebedürftigkeit wurde in der vorhandenen Literatur nicht identifiziert. Der Eindruck legt sich nahe, dass der Übergang aufgrund einer Kombination von mehreren Faktoren beeinflusst wird. Allerdings wird die Wechselwirkung dieser Faktoren mit sozialen und gesundheitlichen Ungleichheiten in der Literatur nicht deutlich in Verbindung gebracht.

Take Home Message für die Praxis: Die Identifizierung eines Kipppunktes oder von mehreren Kipppunkten könnte bei der Gestaltung von präventiven Interventionen möglicherweise den Eintritt der Pflegebedürftigkeit verlangsamen.

Interessenkonflikte: Keine