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20. Internationales SkillsLab Symposium 2026


12.-14.03.2026
Mannheim

Meeting Abstract

Selbstständig lernen, sicher handeln: Die VR-Leichenschau als digitale Selbstlerneinheit

Josephin Klenner - Technische Universität Dresden, Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus, Institut für Didaktik und Lehrforschung in der Medizin, Medizinisches Interprofessionelles Trainingszentrum (MITZ), Dresden, Deutschland
Marie-Christin Willemer - Technische Universität Dresden, Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus, Institut für Didaktik und Lehrforschung in der Medizin, Medizinisches Interprofessionelles Trainingszentrum (MITZ), Dresden, Deutschland

Text

Hintergrund & Motivation: In Deutschland sind approbierte Ärzt*innen verpflichtet, eine ärztliche Leichenschau sachgerecht und unverzüglich durchzuführen. Eine korrekte Ausführung setzt eine fundierte praktische Schulung voraus. Dennoch werden in der Praxis wiederholt Defizite bereits bei Medizinstudierenden im Praktischen Jahr (PJ) beobachtet. Daher ist es notwendig, das individuelle und selbstgesteuerte Lernen auszubauen, um bestehende Lehrmethoden zu ergänzen. Die VR-basierte Leichenschau wurde in Halle entwickelt und nach Dresden transferiert [1]. Die Weiterentwicklung der Anwendung durch die Hallenser Kolleginnen um ein integriertes Tutorial, ein Feedbacksystem, die Möglichkeit zum Ausfüllen des Totenscheins sowie zusätzliche Fallbeispiele besitzt das Potenzial, als strukturierte Selbstlerneinheit eingesetzt zu werden und die praktische Ausbildung in der ärztlichen Leichenschau gezielt zu unterstützen.

Ziel ist es zu untersuchen, ob die VR-Anwendung als strukturierte Selbstlerneinheit (SLE) in ein bestehendes Lehrkonzept integriert werden kann. Ein zentraler Vorteil der VR-Anwendung ist die flexible didaktische Einbindung, weshalb man sie in verschiedene Lehrkonzepte integrieren kann.

Beschreibung des Projekts: Im Rahmen des Projekts soll die VR-Anwendung mit zwei Kohorten – Medizinstudierenden und Rechtsmediziner*innen – im Hinblick auf seine Usability erprobt und evaluiert werden. Das Projekt basiert auf dem Flipped-Classroom-Konzept: Die Studierenden absolvieren vorab ein Moodle-basiertes E-Learning zur Wissensaktivierung mit weiterführenden Materialien, Austauschforen sowie der Möglichkeit zur Buchung der SLE [2]. In der anschließenden Übungsphase erhalten die Teilnehmenden das Material durch geschulte Tutor*innen mit einer kurzen Einweisung. Mithilfe zusätzlicher Hilfsmaterialien wird ein autonomes Üben der Teilnehmenden ermöglicht, sodass die Anwesenheit der Tutor*innen nur in geringem Umfang erforderlich ist. Im Anschluss erfolgt eine Evaluation inwieweit die VR-Anwendung benutzerfreundlich, verständlich und didaktisch sinnvoll ist und ob sie sich als Selbstlerneinheit eignet.

Kritische Reflexion: Die Ergebnisse der Evaluation werden dargestellt und diskutiert. Teilnehmende haben bisher eine einfache Handhabung bei zugleich spürbarer Steigerung ihrer Sicherheit bei der Leichenschau beschrieben.

Ausblick: Der Einsatz der VR-Anwendung wird von den Studierenden positiv wahrgenommen und deutet auf ein Potenzial für das selbstgesteuerte Training praktischer Fertigkeiten hin. Die Möglichkeit, die Anwendung unabhängig von festen Lehrformaten zu nutzen, eröffnet Perspektiven für eine flexiblere Gestaltung des Lernprozesses. Darauf aufbauend können weitere Fälle ergänzt werden, um ein breiteres Spektrum klinischer Situationen strukturiert abzubilden.

Interessenkonflikte: Die Autorinnen erklären, dass sie keine Interessenkonflikte in Zusammenhang mit diesem Artikel haben.


Literatur

[1] Klus C, Krumm K, Jacobi S, Willemer MC, Daub C, Stoevesandt D, Metzler K, Richter C, Peter LM, Heide S, Schmidt U. External post-mortem examination in virtual reality-scalability of a monocentric application. Int J Legal Med. 2024;138(5):1939-1946. DOI: 10.1007/s00414-024-03229-9
[2] Willemer MC, Bibrack E. Entwicklung und Implementierung eines Prototyps (Blueprints) für digital gestützte Lehreinheiten zum individuellen Selbststudium im MITZ. In: Gemeinsame Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA) und des Arbeitskreises zur Weiterentwicklung der Lehre in der Zahnmedizin (AKWLZ). Freiburg, Schweiz, 05.-09.08.2024. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2024. DocV-11-02. DOI: 10.3205/24gma045