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38. Internationaler Kongress der Deutschen Ophthalmochirurgie (DOC)


18.-20.06.2026
Nürnberg

Meeting Abstract

Patientenspezifische Glaskörpervolumenbestimmung auf Basis der axialen Länge: Erste klinische Erfahrungen mit der VIVEX-Formel

Andreas Borkenstein - Borkenstein & Borkenstein, Praxis, Privatklinik Kreuzschwestern Graz, Graz, Österreich

Text

Zielsetzung: In der vitreoretinalen Chirurgie und bei intravitrealen Therapien wird das Glaskörpervolumen häufig pauschal angenommen, obwohl erhebliche interindividuelle Unterschiede bestehen. Diese Variabilität kann insbesondere bei extremen axialen Längen zu suboptimaler Tamponade oder druckassoziierten Komplikationen führen. Die kürzlich entwickelte Vitreous Volume Exact (VIVEX)-Formel ermöglicht eine patientenspezifische Volumenabschätzung auf Basis der axialen Länge. Ziel dieser Arbeit war die erste klinische Real-World-Validierung der VIVEX-Formel anhand intraoperativer Referenzmessungen sowie die Einordnung dieses Ansatzes als Baustein einer möglichen, individualisierten vitreoretinalen Chirurgie.

Methode: In einer retrospektiven, beobachtenden Fallserie wurden 27 Augen analysiert, die sich unterschiedlichen vitreoretinalen Eingriffen unterzogen. Die intraoperativ dokumentierten Volumina wurden in drei Gruppen erfasst: aspirierte intraokulare Flüssigkeit bei kompletter Fluid-Air-Exchange (Gruppe 1, n = 17), injiziertes Silikonöl (Gruppe 2, n = 5) sowie entferntes Silikonöl (Gruppe 3, n = 5). Diese Referenzwerte wurden mit den aus der axialen Länge berechneten VIVEX-Volumina verglichen. Eine statistische Auswertung erfolgte.

Ergebnisse: Über alle Augen zeigte sich eine starke Korrelation zwischen berechneten und intraoperativ gemessenen Volumina (r = 0,961; p < 0,0001). Der MAE betrug 0,48 mL, der MAPE 7,43%. Die Regressionsanalyse ergab eine Steigung von 0,74 (95%-KI 0,65–0,83) und einen Achsenabschnitt von 1,17 mL (95%-KI 0,60–1,74). Die Bland-Altman-Analyse zeigte einen mittleren Bias von +0,42 mL mit 95%-Übereinstimmungsgrenzen von -0,88 bis +1,73 mL. Die höchste Übereinstimmung fand sich in Gruppe 1 (MAE 0,33 mL; MAPE 6,09%) und Gruppe 2 (MAE 0,39 mL; MAPE 6,9%). In Gruppe 3 zeigte sich eine größere Abweichung (MAE 1,07 mL; MAPE 12,51%) mit systematischer Überschätzung.

Schlussfolgerung: Die VIVEX-Formel erlaubt eine klinisch praktikable und zuverlässige individualisierte Abschätzung des Glaskörpervolumens in der vitreoretinalen Chirurgie. Die hohe Übereinstimmung mit intraoperativen Referenzwerten unterstreicht ihr Potenzial für präoperative Planung, realistische Tamponadevolumina und eine personalisierte chirurgische Strategie.