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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Innovative Salvage-Option nach kriegsbedingter hoher Oberschenkelamputation – das transkutane osseointegrierte Prothesensystem (TOPS)

Marko Saß - Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Universitätsmedizin Rostock, Rostock, Deutschland
Horst-Heinrich Aschoff - Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Universitätsmedizin Rostock, Rostock, Deutschland
Dagmar-Christiane Fischer - Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Universitätsmedizin Rostock, Rostock, Deutschland
Sven Märdian - Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Universitätsmedizin Rostock, Rostock, Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Weit proximale Amputationsverletzungen stellen eine besondere Herausforderung in der exoprothetischen Versorgung dar und sind oft mit einer konventionellen Schaftprothese nicht suffizient realisierbar. Insbesondere die Erfahrungen mit der Versorgung von Kriegsverletzten aus Syrien oder der Ukraine zeigen, dass sich weit proximale Amputationsverletzungen zunehmend häufen. Wir postulieren, dass TOPS (transkutanes osseointegriertes Prothesensystem) eine mögliche Lösung für dieses klinisch relevante Problem darstellt und die Patienten dadurch ihre Gehfähigkeit wiedererlangen. Im Rahmen einer retrospektiven Analyse wurde diese Hypothese überprüft.

Material und Methoden: Die klinischen Charakteristika, das operative Vorgehen und das Outcome aller zwischen 01/2022 und 12/2025 von uns mit TOPS versorgten Patienten wurde retrospektiv analysiert. Im Rahmen der Nachbeobachtung wurde die Mobilität der Patienten mit Erfassung noch erforderlicher Hilfsmittel beurteilt. Die Erfassung der Lebensqualität erfolgte anhand standardisierter Fragebögen zu gezielten Lebensqualitäts-Scores (LCI-5D, SAT-PRO, PMQ 2.0 und EQ-5D-5L) mit Evaluation der präoperativen und 1-Jahr-postoperativen Patienteneinschätzung.

Ergebnisse: Im Beobachtungszeitraum wurden insgesamt 47 Patienten mit TOPS versorgt. Alle erhielten das Implantat-System BADAL XTM(Bone anchored device for arteficial limb, Firma OTN Implants, Nijmegen, Niederlande). N=17 (mittl. Alter 43 Jahre [+/-13Jahre], 13m/4f) hatten einen kurzen Femurstumpf, d.h. Amputationshöhe oberhalb des oberen Drittelpunktes des Femur. Die mittlere residuale Femurlänge gemessen von der Spitze des Trochanter minor nach distal betrug 51 mm [+/-32 mm]. Es wurden custom-made-Implantate mit einer mittleren ossären Verankerungsstrecke von 80 mm [+/-24 mm] implantiert. In allen 17 Fällen wurde eine Schenkelhalskomponente eingesetzt, davon n=3 mit Oberflächenbeschichtung. Nach Montage der Exo-Prothesenkomponenten durch die Orthopädietechnik konnten alle Patienten postoperativ mobilisiert werden. N=1 verstarb im Verlauf bei metachroner Fernmetastasierung des ursprünglich behandelten pleomorphen undifferenzierten Sarkoms am Femur. Bei n=16 Patienten ist die Mobilität wiederhergestellt, davon n=4 ohne Hilfsmittel, n=2 gelegentlich Gehstützen, n=10 ständig Gehhilfen – hierzu zählen die doppelseitig Amputierten und die Patienten im ersten Halbjahr postoperativ. 7/16 (44%) sind beruflich an einem angepassten Arbeitsplatz re-integriert. Die Auswertung der erfassten Lebensqualitäts-Scores ergab in der matched Pair-Analyse eine signifikante Besserung der erfassten Scores der untersuchten Fälle (vgl. Abbildung 1 [Abb. 1]).

Abbildung 1

Diskussion und Schlussfolgerung: TOPS stellt bei kurzen Femur-Amputationsstümpfen eine valide und effektive Möglichkeit zur Wiedererlangung der Gehfähigkeit dar mit sozialer Re-Integration und Zugewinn an Lebensqualität und der Möglichkeit der beruflichen Re-Integration. Damit sehen wir diese Rekonstruktionstechnik als gute Option an, auch kriegsversehrte Patientinnen und Patienten wiederherzustellen.