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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Geschlechtsspezifische Verletzungsmuster und klinische Verläufe nach vermuteter Gewaltverbrechen: Eine Analyse aus dem TraumaRegister DGU®

Ahmed Ellafi - TUM Universitätsklinikum, Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie, München, Deutschland
Konstantin Reiter - TUM Universitätsklinikum, Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie, München, Deutschland
Michael Zyskowski - TUM Universitätsklinikum, Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie, München, Deutschland
Gregor Bielesch - TUM Universitätsklinikum, Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie, München, Deutschland
Markus Schwarz - TUM Universitätsklinikum, Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie, München, Deutschland
Rolf Lefering - IFOM – Institut für Forschung in der operativen Medizin (IFOM) Universität Witten/Herdecke, Köln, Deutschland
Peter Biberthaler - TUM Universitätsklinikum, Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie, München, Deutschland
Marc Hanschen - TUM Universitätsklinikum, Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie, München, Deutschland
Olivia Bohe - TUM Universitätsklinikum, Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie, München, Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Verletzungen nach Gewaltverbrechen stellen ein zunehmendes medizinisches und gesellschaftliches Problem dar. Während der Fokus bisher häufig auf Täterprofilen und kriminalstatistischen Analysen lag, sind geschlechtsspezifische Unterschiede in Verletzungsmustern, klinischen Verläufen und Outcomes unzureichend untersucht.

Material und Methoden: In diese retrospektive, multizentrische Studie wurden Fälle mit mittelschweren bis schweren gewaltbedingten Verletzungen (Abbreviated Injury Scale, AIS>2), die im Zeitraum 2009–2023 im TraumaRegister DGU (TR‑DGU; Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie) erfasst wurden, eingeschlossen (TR-DGU-Projekt-ID: 2025-005). Analysiert wurden geschlechtsspezifische Unterschiede hinsichtlich Demographie, Verletzungsmuster, präklinische und klinische Verläufe sowie Outcome.

Ergebnisse: Von den 8.098 eingeschlossenen Gewaltverletzten waren 83,6% (n= 6.767) männlich. Stichverletzungen waren mit 50,2% am häufigsten, gefolgt von Schlagverletzungen (33,5%) und Schussverletzungen (7,1%) (Tabelle 1 [Tab. 1]). Im geschlechtsspezifischen Vergleich waren Männer jünger (36vs.43Jahre; p<0.001) und wurden häufiger nachts (p<0.001) und am Wochenende (p<0.001) eingeliefert (Abbildung 1 [Abb. 1]). Frauen waren zwar seltener betroffen, erlitten jedoch schwerere Verletzungen, häufiger in Hals, Gesicht, Wirbelsäule und Becken, mit höherem Injury Severity Score (ISS) (19.3vs.15.8; p<0.001) und nahezu doppelt so hoher Mortalität (15,8%vs.7,7%; p<0.001) (Tabelle 2 [Tab. 2]).

Tabelle 1: Vergleich der Häufigkeit und geschlechtsspezifischen Verteilung der Gewaltmechanismen

Abbildung 1

Tabelle 2: Geschlechtsspezifische Unterschiede in klinischen Parametern, Verletzungsmustern und Outcomes

Diskussion und Schlussfolgerung: Unsere Analyse zeigt deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede im Verletzungsmuster und Outcome nach Gewaltverletzungen. Männer sind häufiger betroffen, Frauen erleiden jedoch schwerere Verletzungen mit signifikant höherer Mortalität und schlechterem Outcome. Geschlechtsspezifische Prävention- und Versorgungskonzepte sowie Aufklärungsprogramme zur nachhaltigen Reduktion gewaltbedingter Verletzungen sind erforderlich.