Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Behandlung von Weichteilinfektionen der Extremitäten: Eine retrospektive Studie
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Ziel dieser retrospektiven Studie war es, Versorgungsabläufe und Behandlungsergebnisse stationär behandelter Weichteilinfektionen der Extremitäten in einer orthopädisch-unfallchirurgischen Kohorte systematisch zu beschreiben. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Diagnostik und Therapie im klinischen Alltag gesteuert werden – insbesondere, in welchem Umfang CT und Sonographie eingesetzt werden, ob der Bildgebung erhöhte Entzündungsparameter zugrunde liegen und wie sich dies auf konservative versus operative Therapieentscheidungen auswirkt. Ergänzend wurden das mikrobiologische Erregerspektrum, die eingesetzten Antibiotikaregime sowie klinische Outcomes (Verweildauer, Intensivpflichtigkeit, Mortalität) deskriptiv ausgewertet.
Material und Methoden: Es wurde eine retrospektive, monozentrische Analyse stationärer Patient:innen der Orthopädie/Unfallchirurgie eines universitären Maximalversorgers mit Weichteilinfektionen der Extremitäten (01/2020–12/2023) durchgeführt. Eingeschlossen wurden Erysipel-, Phlegmone- und Abszessfälle sowie infektionsassoziierte Verläufe nach Tierbiss; ambulante Fälle und Behandlungen in anderen Fachabteilungen wurden ausgeschlossen. Erfasst wurden Basisdaten, Infektcharakteristika, Bildgebung (CT/Sonographie), mikrobiologische Befunde, Entzündungsparameter bei Aufnahme und Entlassung, therapeutische Maßnahmen (antibiotisch/operativ), Komorbidität/ASA sowie klinische Outcomes.
Ergebnisse: Eingeschlossen wurden 242 Patient:innen (55,7 ± 20,3 Jahre; 40,1% weiblich) mit einer medianen Verweildauer von 7,5 Tagen. Eine ICU-Behandlung war bei 10,3% erforderlich, die Krankenhausmortalität betrug 2,9%. Insgesamt wurden 55,4% (134/242) operiert; die Komorbiditätslast war hoch (ASA III–IV 41,4%), und in 13,2% wurde Sepsis dokumentiert. In 33,1% änderte sich die Diagnose zwischen Aufnahme und Entlassung. CRP und Leukozyten nahmen deutlich ab (CRP 82,2 ± 97,5 auf 27,2 ± 47,3 mg/l; Leukozyten 11,9 ± 6,0 auf 7,7 ± 4,2/nl). Die häufigsten Lokalisationen waren Hand, Fuß und Unterarm. CT wurde bei 45,9% und Sonographie bei 26,9% durchgeführt (nur CT 36,0%, nur US 16,9%, beides 9,9%, keine 37,2%); CT war mit höheren Aufnahme-CRP-Werten und größerer operativer Belastung inkl. mehr Reinterventionen assoziiert. Kulturen waren häufig negativ; bei positivem Nachweis dominierten Staphylokokken und Streptokokken.
Diskussion und Schlussfolgerung: Krankenhausaufenthalte aufgrund von Weichteilinfektionen an Extremitäten waren durch häufige Neuklassifizierungen der Diagnose, heterogene Dokumentations- und Bildgebungsverfahren sowie eine hohe Rate an operativen Eingriffen gekennzeichnet, trotz insgesamt günstiger Ergebnisse. Die CT wurde vorzugsweise bei Patienten mit höherer Entzündungsaktivität und größerer Belastung durch Eingriffe eingesetzt, was mit der indikationsgesteuerten Bildgebung in schwereren oder komplexeren Fällen übereinstimmt. Diese Ergebnisse sprechen für eine strukturierte Neubewertung und gezielte Bildgebung, wenn eine anatomische Klärung die Behandlung wahrscheinlich verändern würde.



