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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Klinische Relevanz des CRP im zweizeitigen septischen Hüft-/Knie-TEP-Wechsel? Risikostratifizierung vor Explantation, Limitationen vor Reimplantation

Matthias Wolf - Orthopädische Klinik, Universitätsklinikum Heidelberg, Heidelberg, Deutschland
Raphael Trefzer - Orthopädische Klinik, Universitätsklinikum Heidelberg, Heidelberg, Deutschland
Tilman Walker - Orthopädische Klinik, Universitätsklinikum Heidelberg, Heidelberg, Deutschland
Julian Deisenhofer - Orthopädische Klinik, Universitätsklinikum Heidelberg, Heidelberg, Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Die Bedeutung der Entzündungsparameter beim zweizeitigen septischen Prothesenwechsel ist umstritten. Während in einem Review keiner der gängigen Marker eine ausreichende prädiktive Fähigkeit bezüglich des Reimplantationszeitpunktes zeigte (1, 2), wird insbesondere das CRP klinisch routinemäßig zur Verlaufssteuerung genutzt. Die zugrundeliegenden Grenzwerte und deren phasenspezifische Bedeutung (Explantation, Reimplantation) bleiben unklar (3). Die Fragestellung dieser retrospektiven Kohortenstudie war, ob der präoperative CRP-Wert in beiden Phasen des zweizeitigen Prothesenwechsels einen prädiktiven Wert für das Auftreten postoperativeer in-house Adverse Events hat.

Material und Methoden: Retrospektive Kohortenstudie einer universitären Hochrisiko-Kohorte. Eingeschlossen wurden alle periprothetischen Infektionen (PJI nach (4)) mit zweizeitigem Prothesenwechsel an Hüfte/Knie (2010–2019): ICD T84.5, dokumentierte Infektionsdiagnose oder positiver mikrobiologischer Nachweis bei Explantation (N=211). Analysiert wurden präoperative CRP-Werte (kontinuierlich, maximal 10 Tage präoperativ) bei Explantation (n=191) und Reimplantation (n=209). Primärer Endpunkt: perioperative Adverse Events (ICD/OPS-detektiert, in-house). Univariate logistische Regressionen für beide Phasen. Optimale CRP-Grenzwerte mittels Youden-Index (5-mg/L-Schritte) mit Sensitivitätsanalyse. Evidenzgrad: C.

Ergebnisse: Es wurden 211 Patienten mit PJI eingeschlossen. Bei Explantation traten 33/211 (15,6%) Adverse Events auf. CRP zeigte signifikante Assoziation (OR 1,01 pro mg/L; p=0,006; AUC 0,643). Optimaler Grenzwert: 35 mg/L (Sensitivität 58%, Spezifität 68%). Patienten ≥35 mg/L zeigten signifikant mehr AE: 26% versus 11% (OR 2,96; p=0,007). Bei Reimplantation traten 25/211 (11,8%) AE auf. CRP war nicht prädiktiv (OR 1,00; p=0,889; AUC 0,551). Der Schwellenwert 25 mg/L zeigte keine Diskrimination (Sensitivität 8%, Spezifität 95%) und keine signifikanten AE-Unterschiede: 18% versus 12% (OR 1,69; p=0,518).

Diskussion und Schlussfolgerung: Bei septischem Prothesenwechsel ist präoperatives CRP vor Explantation signifikant mit perioperativen Adverse Events assoziiert und ermöglicht eine klinisch verwertbare Risikostratifizierung (AUC 0,64; Schwellenwert 35 mg/L). Vor Reimplantation fehlt die prädiktive Leistung (AUC 0,55; p=0,889), vermutlich als Ausdruck erfolgreicher Infektsanierung und präoperativer Optimierung. Die unterschiedlichen klinischen Kontexte – hochentzündliche Ausgangslage bei Explantation versus kontrollierte Situation bei Reimplantation – erklären die divergierenden Ergebnisse. Im Einklang mit der Literatur bestätigt dies die begrenzte Bedeutung serologischer Marker vor Reimplantation und unterstreicht die Notwendigkeit individueller, ganzheitlicher Patientenbeurteilung unter Einbeziehung von Klinik, Komorbiditäten und Lokalbefund.