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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

BMI-stratifizierte Leistungsfähigkeit von nativ CT-Hounsfield-Units im proximalen Femur zur Osteoporose-Erkennung und Frakturassoziation

Julian Ramin Andresen - Universitätsklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Klinische Abteilung für Orthopädie, Wien, Österreich
Thomas Haider - Universitätsklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Klinische Abteilung für Orthopädie, Wien, Österreich
Reimer Andresen - Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie/Neuroradiologie, Westküstenklinikum Heide, Akademisches Lehrkrankenhaus der Universitäten Kiel, Lübeck und Hamburg, Heide, Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Opportunistische CT-basierte Knochendichteabschätzungen mittels Hounsfield Units (HU) werden zunehmend eingesetzt. Der Body-Mass-Index (BMI) kann jedoch sowohl DXA-Messungen als auch CTXA und CT-Attenuationswerte beeinflussen und damit die Interpretation von HU-Schwellenwerten sowie die Frakturrisikoeinschätzung verzerren. Ziel war es, den Zusammenhang zwischen BMI, HU-Werten, Hüft-T-Score und Frakturereignissen zu quantifizieren.

Material und Methoden: Analysiert wurden 600 Patient:innen (65,3 ± 14,1 Jahre; 81% weiblich; BMI 26,7 ± 6,5 kg/m²). Für die gesamte Hüftregion erfolgte mittels Computertomographie-Röntgenabsorptiometrie-Hüfte (CTXA-Hüfte) eine DXA-äquivalente quantitative Bestimmung des KMG in mg/cm² sowie der T-Werte. Im koronar reformierten CT-Schnittbild wurden danach mittels kreisrunder ROI im Caput femoris und irregulärer Flächen-ROI des prox. Femurs die trabekuläre Dichte in HU bestimmt. BMI-Subgruppen folgten WHO-Kategorien (<18,5; 18,5–24,9; 25,0–29,9; ≥30 kg/m²). Es erfolgten Spearman-Korrelationen, Gruppenvergleiche sowie multivariable lineare und logistische Regressionsmodelle (Adjustierung für Alter und Geschlecht).

Ergebnisse: Mit zunehmendem Pat.-Alter zeigt sich eine signifikante (p < 0,05) Abnahme der trabekulären Knochendichte im proximalen Femur. Mit dem Alter steigt das Risiko für Hüftfrakturen für Männer und Frauen, wobei im hohen Alter bei Frauen die sub/pertrochantären Frakturen stärker zunehmen. BMI korrelierte positiv mit Femur-HU (ρ = 0,46) und Hüft-T-Score (ρ = 0,46) (jeweils p < 0,001). Nach Adjustierung war jeder Anstieg um 1 kg/m² BMI mit höheren HU-Werten assoziiert (proximaler Femur +3,32 HU; 95%-KI 2,61–4,02) sowie mit einem höheren Hüft-T-Score (+0,081; 95%-KI 0,064–0,098; alle p < 0,001). Frakturen traten bei höherem BMI seltener auf (Gruppenvergleich p < 0,001): proximale Femurfrakturen 21,3% bei Normalgewicht vs. 3,7% bei Adipositas; Wirbelsäulenfrakturen 46,8% vs. 25,0%. In logistischen Modellen sank pro 1 kg/m² BMI die Odds einer proximalen Femurfraktur (OR 0,83; 95%-KI 0,77–0,89; p < 0,001) und einer Wirbelsäulenfraktur (OR 0,95; 95%-KI 0,91–0,99; p = 0,014). Mittels trabekulärer Dichtemessungen in HU lassen sich Pat. ohne und mit einer Hüftfraktur signifikant diskriminieren. Unter Berücksichtigung der Flächen-ROI des proximalen Femurs fanden sich in der untersuchten Patientenkohorte keine proximalen Femurfrakturen oberhalb des Osteoporose-Schwellenwertes von 94,77 HU. Für das Caput femoris fand sich ein entsprechender Osteoporose-Schwellenwert von 243,91 HU.

Diskussion und Schlussfolgerung: BMI ist ein unabhängiger Prädiktor für CT-Attenuation und CTXA-basierte Knochendichteparameter und ist in dieser Kohorte mit geringerem Frakturrisiko assoziiert. BMI sollte bei der Interpretation opportunistischer HU-Messungen und bei der Anwendung fester HU-Schwellenwerte als relevanter Confounder berücksichtigt werden.