Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
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BMI-stratifizierte Leistungsfähigkeit von nativ CT-Hounsfield-Units im proximalen Femur zur Osteoporose-Erkennung und Frakturassoziation
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Opportunistische CT-basierte Knochendichteabschätzungen mittels Hounsfield Units (HU) werden zunehmend eingesetzt. Der Body-Mass-Index (BMI) kann jedoch sowohl DXA-Messungen als auch CTXA und CT-Attenuationswerte beeinflussen und damit die Interpretation von HU-Schwellenwerten sowie die Frakturrisikoeinschätzung verzerren. Ziel war es, den Zusammenhang zwischen BMI, HU-Werten, Hüft-T-Score und Frakturereignissen zu quantifizieren.
Material und Methoden: Analysiert wurden 600 Patient:innen (65,3 ± 14,1 Jahre; 81% weiblich; BMI 26,7 ± 6,5 kg/m²). Für die gesamte Hüftregion erfolgte mittels Computertomographie-Röntgenabsorptiometrie-Hüfte (CTXA-Hüfte) eine DXA-äquivalente quantitative Bestimmung des KMG in mg/cm² sowie der T-Werte. Im koronar reformierten CT-Schnittbild wurden danach mittels kreisrunder ROI im Caput femoris und irregulärer Flächen-ROI des prox. Femurs die trabekuläre Dichte in HU bestimmt. BMI-Subgruppen folgten WHO-Kategorien (<18,5; 18,5–24,9; 25,0–29,9; ≥30 kg/m²). Es erfolgten Spearman-Korrelationen, Gruppenvergleiche sowie multivariable lineare und logistische Regressionsmodelle (Adjustierung für Alter und Geschlecht).
Ergebnisse: Mit zunehmendem Pat.-Alter zeigt sich eine signifikante (p < 0,05) Abnahme der trabekulären Knochendichte im proximalen Femur. Mit dem Alter steigt das Risiko für Hüftfrakturen für Männer und Frauen, wobei im hohen Alter bei Frauen die sub/pertrochantären Frakturen stärker zunehmen. BMI korrelierte positiv mit Femur-HU (ρ = 0,46) und Hüft-T-Score (ρ = 0,46) (jeweils p < 0,001). Nach Adjustierung war jeder Anstieg um 1 kg/m² BMI mit höheren HU-Werten assoziiert (proximaler Femur +3,32 HU; 95%-KI 2,61–4,02) sowie mit einem höheren Hüft-T-Score (+0,081; 95%-KI 0,064–0,098; alle p < 0,001). Frakturen traten bei höherem BMI seltener auf (Gruppenvergleich p < 0,001): proximale Femurfrakturen 21,3% bei Normalgewicht vs. 3,7% bei Adipositas; Wirbelsäulenfrakturen 46,8% vs. 25,0%. In logistischen Modellen sank pro 1 kg/m² BMI die Odds einer proximalen Femurfraktur (OR 0,83; 95%-KI 0,77–0,89; p < 0,001) und einer Wirbelsäulenfraktur (OR 0,95; 95%-KI 0,91–0,99; p = 0,014). Mittels trabekulärer Dichtemessungen in HU lassen sich Pat. ohne und mit einer Hüftfraktur signifikant diskriminieren. Unter Berücksichtigung der Flächen-ROI des proximalen Femurs fanden sich in der untersuchten Patientenkohorte keine proximalen Femurfrakturen oberhalb des Osteoporose-Schwellenwertes von 94,77 HU. Für das Caput femoris fand sich ein entsprechender Osteoporose-Schwellenwert von 243,91 HU.
Diskussion und Schlussfolgerung: BMI ist ein unabhängiger Prädiktor für CT-Attenuation und CTXA-basierte Knochendichteparameter und ist in dieser Kohorte mit geringerem Frakturrisiko assoziiert. BMI sollte bei der Interpretation opportunistischer HU-Messungen und bei der Anwendung fester HU-Schwellenwerte als relevanter Confounder berücksichtigt werden.



