Logo

Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Einfluss der Amputationsindikation auf Mortalität und Revisionsrate nach Majoramputation

Alonja Reiter - Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Deutschland
Luk Mattern - Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Deutschland
Andre Strahl - Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Deutschland
Karl-Heinz Frosch - Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Deutschland; BG Klinikum Hamburg, Hamburg, Deutschland
Tobias Dust - Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Deutschland
Matthias Priemel - Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Die Prognose nach einer Majoramputation wird maßgeblich durch die zugrunde liegende Indikation bestimmt. Vaskuläre und infektiöse Ursachen gehen häufig mit schweren Komorbiditäten einher, während traumatische Amputationen oftmals ein jüngeres Patientenkollektiv betreffen. Tumorassoziierte Eingriffe stehen wiederum im Kontext onkologischer Grunderkrankungen. Ziel der Studie war es, den Einfluss der Amputationsindikation auf die Mortalität und die Revisionsrate zu analysieren.

Material und Methoden: Es wurden die Daten von 164 Majoramputationen bei 152 Personen im Zeitraum von Januar 2013 bis April 2024 retrospektiv untersucht. Analysiert wurden demografische Parameter, die Amputationsindikation, Revisionsoperationen sowie die Mortalität. Die statistische Auswertung erfolgte mittels deskriptiver Statistik und Gruppenvergleichen (Chi-Quadrat-, Fisher-Exact-, t-Test oder Mann-Whitney-U-Test). Das Signifikanzniveau wurde auf p < 0,05 festgelegt.

Ergebnisse: Die häufigsten Indikationen für eine Majoramputation waren Infektionen (38,4%) und Tumorerkrankungen (34,8%), gefolgt von traumatischen Amputationen (16,5%) und vaskulären Erkrankungen (10,4%). Traumatische Amputationen wiesen mit 22,7% die niedrigste Gesamtmortalität auf und unterschieden sich signifikant von den übrigen Indikationen, bei denen die Mortalität bei 52,9% lag (p = 0,011). Zudem war die mittlere Überlebenszeit nach einer traumatischen Amputation signifikant länger als nach einer tumorassoziierten (p = 0,012) oder infektbedingten Amputation (p = 0,025). Onkologische Indikationen wiesen mit 58,5% die höchste Mortalität auf und hatten eine tendenziell ungünstigere Prognose im Vergleich zu den anderen Amputationsindikationen. Die Revisionsrate lag bei 32,3%. Traumatische Amputationen führten mit 58,3% signifikant häufiger zu Revisionen als vaskuläre Amputationen (20,0%, p = 0,019), tumorassoziierte Amputationen (26,3%, p = 0,002) oder infektbedingte Amputationen (37,5%, p = 0,042). Zudem erfolgte die erste Revision nach traumatischer Amputation signifikant früher als bei den übrigen Indikationen (p = 0,004). Zwischen der Revisionsrate und der Gesamtmortalität bestand hingegen kein signifikanter Zusammenhang (p = 0,856).

Diskussion und Schlussfolgerung: Traumaassoziierte Eingriffe sind trotz einer signifikant erhöhten Revisionsrate mit der günstigsten Überlebensprognose verbunden. Tumorassoziierte Amputationen weisen dagegen die höchste Mortalität auf. Die hohe Revisionsrate nach traumatischen Amputationen spiegelt vermutlich die komplexe Kombination aus Weichteil- und Knochenverletzungen wider, ohne jedoch das Langzeitüberleben negativ zu beeinflussen. Demgegenüber ist die erhöhte Mortalität bei tumorassoziierten Amputationen am ehesten primär durch die onkologische Grunderkrankung bedingt. Diese Ergebnisse unterstreichen, dass Majoramputationen keine homogene klinische Entität repräsentieren, und implizieren, dass die Prognose von Mortalität und Komplikationsrisiko indikationsspezifisch evaluiert werden sollte.