Logo

Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Minimalinvasive versus offene talonavikuläre Arthrodese: Vergleichbare funktionelle Ergebnisse in einer retrospektiven Vergleichskohorte

Felix Werneburg - Universitätsklinikum Halle, Halle (Saale), Deutschland
Natalia Gutteck - Universitätsklinikum Halle, Halle (Saale), Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Die talonavikulare (TN-)Arthrodese ist ein etabliertes operatives Verfahren zur Behandlung symptomatischer Pathologien des TN-Gelenks sowie bei Dysfunktion der medialen Fußsäule. Offene Operationstechniken ermöglichen eine direkte Darstellung des Gelenks, können jedoch mit einer zugangsassoziierten Weichteilmorbidität einhergehen. Minimalinvasive (MIS) Verfahren werden zunehmend zur Reduktion des Weichteiltraumas vorgeschlagen; die vergleichende klinische Evidenz mit besonderem Fokus auf funktionelle Ergebnisparameter ist bislang jedoch begrenzt. Ziel dieser Studie war der Vergleich der funktionellen Outcomes nach minimalinvasiver versus offener TN-Arthrodese.

Material und Methoden: In diese retrospektive Kohortenstudie wurden 56 Füße (55 Patientinnen/Patienten) eingeschlossen, die zwischen Januar 2021 und Januar 2025 mittels TN-Arthrodese behandelt wurden. Zweiunddreißig Füße erhielten eine MIS TN-Arthrodese (MIS), 24 Füße wurden über einen offenen Zugang operiert. Primärer Endpunkt war der American Orthopaedic Foot & Ankle Society (AOFAS) Ankle–Hindfoot Score, erhoben präoperativ sowie beim finalen Follow-up. Sekundäre Endpunkte umfassten die Operationsdauer und das Auftreten von perioperativen Komplikationen. Eine radiologische Verlaufskontrolle erfolgte standardmäßig im Rahmen der postoperativen Routineversorgung zur Beurteilung der knöchernen Fusion und zur Steuerung der postoperativen Rehabilitation.

Ergebnisse: Die mittlere Nachbeobachtungsdauer betrug 361 ± 69 Tage. In beiden Gruppen zeigte sich eine deutliche Verbesserung der funktionellen Ergebnisse. Der mittlere AOFAS-Score stieg in der MIS-Gruppe von 53,2 ± 17,6 auf 89,4 ± 9,5 Punkte (mittlere Zunahme 36,2 ± 13,3) und in der offenen Gruppe von 56,9 ± 14,5 auf 87,7 ± 12,7 Punkte (mittlere Zunahme 30,9 ± 9,1). Zwischen den Gruppen bestanden weder hinsichtlich des postoperativen AOFAS-Scores (p = 0,853; Cohen’s d = 0,15) noch der Operationsdauer (59,2 ± 35,6 vs. 69,6 ± 35,1 min; p = 0,415) signifikante Unterschiede. In der MIS-Kohorte traten keine Komplikationen auf; in der offenen Kohorte entwickelte ein Patient eine symptomatische Pseudarthrose, die eine Revisionsoperation erforderlich machte (Gruppenvergleich p = 0,389).

Diskussion und Schlussfolgerung: In dieser retrospektiven Kohorte war die MIS TN-Arthrodese mit einer deutlichen funktionellen Verbesserung assoziiert, die im Gesamtkollektiv der offenen Technik vergleichbar erschien. Bei der Interpretation ist zu berücksichtigen, dass die TN-Arthrodese im Großteil der Fälle in ein rekonstruktives Gesamtkonzept mit Begleiteingriffen eingebunden war. Ergänzend wurde eine Auswertung auf Fälle mit isolierter TN-Arthrodese beschränkt; hierbei ergab sich ebenfalls kein Unterschied zwischen den Gruppen hinsichtlich der funktionellen Ergebnisse. Insgesamt kann die MIS-TN-Arthrodese als weichteilschonende, klinisch sinnvolle Alternative zur offenen Technik betrachtet werden, wenn entsprechende Weichteil- und Zugangserwägungen im Vordergrund stehen.