Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
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Einfluss der distalen Femurwinkel auf die Frakturkonsolidierung: Fehlende Wiederherstellung als entscheidender Risikofaktor – eine Matched-Pairs-Analyse
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Distale Femurfrakturen sind häufige und anspruchsvolle Frakturen. Bei mehrfragmentären Frakturen fehlen oftmals die anatomischen Landmarken und die anatomische Reposition ist intraoperativ schwierig. Schwerwiegende Komplikationen sind daher Pseudarthrosen. Ziel dieser Studie war es, den Einfluss der intraoperativen Rekonstruktion der anatomischen distalen Femurwinkel (aLDFW und aPDFW) auf die Rate an Pseudarthrosen zu evaluieren.
Material und Methoden: Es erfolgte der retrospektive Einschluss der zwischen 2010 und 2022 an einem Maximalversorger versorgten distalen Femurpseudarthrosen. Nachfolgend erfolgte das Matching entsprechender Frakturpatient*innen (Lokalisation, Alter +/- 5 Jahre, Operationsjahr +/- 3, Geschlecht). Neben klinischen Daten und dem LegNui-Score erfolgte die Auswertung der anatomischen Gelenkwinkel nach der Primärversorgung am distalen Femur anhand der intra- oder postoperativen Bildgebung. Der aLDFW wurde mit 79° – 83° als physiologisch gewertet, der aPDFW mit 79° – 87° (nach Paley). Zur deskriptiven Auswertung wurde der Median herangezogen. Unterschiede zwischen den Gruppen wurden mittels Wilcoxon- und Chi2-Test analysiert. Ein Wert von p<0,05 wurde als signifikant angesehen.
Ergebnisse: Es konnten n=50 Patient*innen (je n=25) eingeschlossen werden. Die Alterspanne betrug 22 – 80 Jahre (Median 54,5), mit 68% Männer (je n=17), 32% Frauen (je n=8). Der LegNui-Score zeigte bei der Frakturkontrollgruppe eine Range von 1–4 und prognostizierte demnach bei 100% eine Frakturheilung, bei den Pseudarthrosen zeigte sich ein Score von 3–6 mit 72% Pseudarthrosenprognose (Score 5–6) und 28% Ausheilung. Der anatomische laterale distale Femurwinkel (aLDFW) war bei Frakturen mit 82,7° (Range: 77,2° – 88,5°) höher als bei den Pseudarthrosen 80° (72,5° – 92°), jedoch nicht signifikant (Wilcoxon-Test, p=0,0611). 52% (n=13) der Frakturen zeigten einen pathologischen, 48% (n=12) einen physiologischen aLDFW gegenüber den Pseudarthrosen mit 68% (n=17) pathologischem und 32% (n=8) physiologischem aLDFW (Chi2-Test, p=0,247). Der anatomische posteriore distale Femurwinkel (aPDFW) zeigte bei den Frakturen mit 84,7° (range: 78° – 90,7°) einen signifikant kleineren Winkel im Vergleich zu den Pseudarthrosen mit 89,7° (57,1° – 111,8°) (Wilcoxon-Test, p<0,0001). 16% (n=4) der Frakturen zeigten einen pathologischen, 84% (n=21) einen physiologischen aPDFW gegenüber den Pseudarthrosen mit 79,2% (n=19) pathologischen und 20,8% (n=5) physiologischen aPDFW (Chi2-Test, p<0,0001).
Diskussion und Schlussfolgerung: Pathologische distale Femurwinkel sind ein signifikanter Prädiktor für eine ausbleibende Frakturheilung. Bereits intraoperativ sollte die Möglichkeit der exakten Projektion in der Durchleuchtung genutzt werden, um physiologische Winkelverhältnisse und somit ein Ausheilen der Fraktur sicherzustellen. Bei postoperativen Fehlstellungen sollte ein engmaschiges Monitoring und eine frühzeitige Korrektur und Revision erwogen werden.



