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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Gesundheitsökonomische Betrachtung der Implementierung der robotisch assistierten Knieendoprothetik

Jan Hennings - Praxis Doktor Jan Hennings und Doktor Ariane Hennings, Schwarzenbek, Deutschland; Klinik Manhagen, Großhansdorf, Deutschland
Hannah Hübener - Praxis Doktor Jan Hennings und Doktor Ariane Hennings, Schwarzenbek, Deutschland; Klinik Manhagen, Großhansdorf, Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Robotisch assistierte Systeme in der primären Knieendoprothetik werden zunehmend eingesetzt. Gleichzeitig erfolgt ihre Anwendung in einem DRG-basierten Vergütungssystem ohne spezifische Zusatzvergütung für die robotische Technologie (z.B. DRG 144C). Ziel dieser Arbeit war es, die gesundheitsökonomischen Auswirkungen der Implementierung zweier robotischer Systeme in einem High-Volume-Zentrum zu analysieren.

Material und Methoden: Prospektive Erfassung perioperativer und prozessualer Parameter bei n= 100 konsekutiven primären Knie-TEP (n = 50 VELYS™. n = 50 ROSA®). Analysiert wurden Schnitt-Naht-Zeit, Wechselzeiten, Saalbelegungsdauer sowie organisatorische Anpassungen. Die erhobenen Daten wurden in Relation zu etablierten konventionellen Referenzwerten gesetzt und unter Berücksichtigung typischer OP Minutenkosten gesundheitsökonomisch bewertet.

Ergebnisse: Trotz strukturierter Einführung zeigte sich eine persistierende Verlängerung der Schnitt-Naht-Zeit um durchschnittlich ca. 10 Minuten auch nach Überwindung der initialen Lernphase. Besonders ausgeprägtwar die Verlängerung der Naht-Schnitt-Intervalle (sog. „Wechselzeit") durch zusätzliche System-Setups, Registrierungsschritte und organisatorische Anpassungen. Die angestrebte unveränderte Saalauslastung (bis zu vier Eingriffe pro Tag von 08:00 bis 16:00) war unter Routinebedingungen nicht regelhaft realisierbar. Da weder im GKV- noch im PKV-System eine eigenständige Vergütung für die robotische Assistenz vorgesehen ist, müssen Investitions-, Wartungs- und systembedingte Mehrkosten vollständig aus der bestehenden Fallpauschale refinanziert werden. Die verlängerte OP-Zeit führt zusätzlich zu relevanten Opportunitätskosten durch reduzierte Saaleffizienz. Im Rahmen der geltenden rechtlichen Vorgaben besteht grundsätzlich die Möglichkeit, nicht erstattete Sachkostenbestandteile transparent und vertraglich abgesichert als individuelle Zusatzvereinbarung abzubilden. Dies stellt jedoch keine strukturelle Lösung des systemischen Refinanzierungsdefizits dar.

Diskussion und Schlussfolgerung: Die robotisch assistierte Knieendoprothetik ist technisch implementierbar, gesundheitsökonomisch jedoch unter den aktuellen Vergütungsbedingungen kein Selbstläufer. Ohne strukturelle Anpassung der Refinanzierungsmechanismen oder eindeutig belegte langfristige Outcome-Vorteile besteht das Risiko einer negativen Deckungsbeitragsentwicklung. Die Einführung robotischer Systeme sollte daher nicht allein technologisch, sondern ebenfalls strategisch und gesundheitsökonomisch bewertet werden.