Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
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Osteoporotisch oder traumatisch? Lokalisationabhängige Frakturtrends 2012–2022 in einer AOK-Kohorte mit gesicherter Osteoporose
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Frakturen im höheren Lebensalter sind häufig; auch bei Patient:innen mit diagnostizierter Osteoporose sind jedoch nicht alle Frakturen osteoporotisch bedingt. Ziel dieser Arbeit war es, in einer bundesweiten Kohorte GKV-Versicherter den 10-Jahres-Trend von Frakturen nach anatomischer Lokalisation darzustellen und innerhalb einer Osteoporosekohorte osteoporotisch kodierte von traumatischen Frakturen zu unterscheiden.
Material und Methoden: Retrospektive Analyse von AOK-Routinedaten der Jahre 2012–2022. Eingeschlossen wurden Versicherte ≥60 Jahre mit ärztlich gesicherter Osteoporose (ICD-10-GM). Frakturen wurden über ICD-10-Codes identifiziert und in osteoporotisch (M-Code) vs. traumatisch. (S-Codes) kodierte Ereignisse unterteilt. Berichtet werden absolute Häufigkeiten Versicherter mit Frakturen und die Veränderung 2022 gegenüber 2012 (Δ%). Versicherte mit Frakturen werden folgend unter dem Begriff Frakturen zusammengefasst.
Ergebnisse: Die Untersuchungskohorte umfasste im Jahr 2022 insgesamt 7.829.877 AOK-Versicherte ≥60 Jahre. Wirbelsäulenfrakturen umfassten 149.093 Frakturen (Δ +8,9%); osteoporotische Wirbelsäulenfrakturen nahmen um 10,9% zu (n=80.819), traumatische um 14,3% (n=98.280). In den traumatischen Subgruppen stiegen thorakale (n=25.514; Δ: +24,4%) und lumbale Frakturen (n=39.818; Δ +16,1%) sowie HWS-Frakturen (C1 n=327; Δ +57,2%; C2 n=1.094; Δ +69,6%; subaxial n=1.104; Δ +85,9%) an. Frakturen im Becken-/Femur-/Sakrum-Bereich umfassten 56.381 Frakturen (Δ: +23,3%), 7.546 osteoporotische Frakturen (Δ: +57,9%) und 51.539 traumatische Frakturen (Δ: +21,6%). Innerhalb der traumatischen Subgruppen zeigten sakrale Frakturen den stärksten Anstieg (n=6.347; Δ: +116,4%), Femurfrakturen nahmen moderat zu (n=35.860; Δ: +15,2%) und Becken-/Acetabulumfrakturen stiegen um 37,7% (n=15.301). Frakturen der oberen Extremität umfassten 48.340 Frakturen (Δ +4,2%); osteoporotische Frakturen nahmen um 29,9% zu (n=4.236), traumatische um 3,2% (n=45.231), bei rückläufigen traumatischen Frakturen am Radius/Ulna/Handgelenk (Δ −3,6%) und an Fingern/Karpalia (Δ −2,3%). Frakturen der unteren Extremität umfassten 23.437 Frakturen (Δ: +13,9%); osteoporotische Frakturen stiegen deutlich an (n=2.304; Δ: +70,9%), insbesondere am Fuß (Tarsalia/Mittelfuß/Zehen: n=1.459; Δ +97,4%), während traumatische Frakturen moderat zunahmen (n=21.661; Δ +10,6%). Unspezifische Lokalisationen nahmen ab (72.487 Frakturen; Δ −12,3%).
Diskussion und Schlussfolgerung: In untersuchten Kohorte zeigen sich über 2012–2022 deutliche, lokalisationabhängige Trendmuster. Ausgeprägt sind der Anstieg sakraler Frakturen sowie osteoporotisch kodierter Frakturen der unteren Extremität. Die getrennte Betrachtung osteoporotisch kodierter und traumatischer Frakturen ermöglicht eine Einordnung der Versorgungsentwicklung und kann zur Planung zielgerichteter Präventions- und Versorgungsstrategien beitragen. Der Rückgang unspezifischer Frakturkodierungen könnte zudem auf eine verbesserte Kodierqualität mit zunehmender Spezifizierung der Frakturlokalisation hinweisen.



