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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Versorgungsdefizite bei der Behandlung der Osteoporose in Deutschland: Fracture Liaison Service zur Überwindung sektoraler Grenzen?

Thomas Friess - Akademie der Unfallchirurgie, München, Deutschland
Christine Höfer - Akademie der Unfallchirurgie, München, Deutschland
Pia Kühn - Muskuloskelettales Universitätszentrum, LMU Klinikum München, München, Deutschland
Martina Henschelchen - MVZ Atrium PartG mbH, Holzkirchen, Deutschland
Jörg Trinemeier - PVM Versorgungsmanagement GmbH, Speyer, Deutschland
Marie Coors - School of Medicine and Health, Technische Universität München, München, Deutschland
Josefine Atzendorf - School of Medicine and Health, Technische Universität München, München, Deutschland
Leonie Sundmacher - School of Medicine and Health, Technische Universität München, München, Deutschland
Christian Kammerlander - AUVA Unfallkrankenhaus Steiermark, Graz, Österreich
Wolfgang Böcker - Muskuloskelettales Universitätszentrum, LMU Klinikum München, München, Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Kann ein sektorübergreifend koordiniertes Versorgungsprogramm zur Diagnostik und Therapie der Osteoporose mit einem Fracture Liaison Service (FLS) in Deutschland die Folgefrakturrate nach coxaler Femurfraktur senken?

Material und Methoden: In einer prospektiven, clusterrandomisierten Interventionsstudie an 24 Kliniken in Bayern war in der Interventionsgruppe (IG) unter Einbindung der Studienkliniken und studienassoziierter niedergelassener Chirurg:innen und Orthopäd:innen die Einleitung einer leitliniengerechten Diagnostik und Therapie der Osteoporoses nach coxaler Femufraktur vorgesehen. Die 419 Patient:innen der IG wurden von geschulten Nurses intersektoral begleitet. 396 Patient:innen der Kontrollgruppe (KG) erhielten eine Regelversorgung. Eingeschlossen wurden Frauen ≥ 50 und Männer ≥ 60 Jahre nach hüftgelenksnaher Oberschenkelfraktur aufgrund eines Niedrig-Energie-Traumas. Das Durchschnittsalter lag bei 81 Jahren. Der Beobachtungszeitraum erstreckte sich über 24 Monate. Ausgewertet wurden klinische Primärdaten und zugehörige Routinedaten von 6 beteiligten gesetzlichen Krankenkassen. Primärer Endpunkt war die Folgefrakturrate innerhalb von 24 Monaten nach Trauma. Sekundär wurden u.a. Mortalität, Leitlinienadhärenz und Kosten erhoben.

Ergebnisse: Die Folgefrakturrate entsprach in der IG mit letztlich 11% nahezu vollständig der in der KG (10%). Für den primären Endpunkt blieb damit die auf niedrigem Niveau signifikant bessere Leitlinienadhärenz für eine spezifische Osteoporosemedikation in der IG ohne Wirkung (in der Gruppe der Nicht-Verstorbenen 19,7% vs. 12,9% in der KG). Initial haben nur 4% der Pat:innen der IG und 5% der Patient:innen der KG das Krankenhaus mit einer spezifischen Osteoporosemedikation verlassen. Zum Ende der 24-monatigen Beobachtungszeit wurden nur 45 Patient:innen der IG durch projektassoziierte Fachärzte weiterbehandelt. Von diesen Patient:innen erhielten lediglich 9 eine spezifische Osteoporosemedikation. Die Mortalität in der IG entsprach mit 27% der in der KG (26%). Die gesundheitsbezogene Lebensqualität zeigte zum Ende der Nachbeobachtungszeit eine leicht positive (nicht signifikante) Tendenz zugunsten der Patient:innen der IG.

Diskussion und Schlussfolgerung: Die Studie zeigt, dass auch ein koordiniertes Versorgungsprogramm mit einem Fracture Liaison Service nicht geeignet war, für Osteoporose-betroffene Patient:innen nach Hüftfraktur eine Osteoporosediagnostik und -therapie sektorübergreifend in wirkungsrelevantem Umfang zu initiieren. Sowohl innersektorale wie auch zwischensektorale Hemmnisse limitierten eine zufriedenstellende Leitlinienadhärenz. Die Studie legt die Hürden offen, die insbesondere aus der Komplexität deutscher Versorgungsstrukturen entstehen. Eine kritische Auseinandersetzung mit den Ergebnissen der Studie und Erkenntnisse aus der Versorgungsforschung zeigen auf, mit welchem Studiendesign die Komplexität des Forschungsgegenstandes besser antizipiert und ein Beitrag zur Behebung der Unterversorgung der Betroffenen geleistet werden könnten.