Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Klinische Ergebnisse nach operativ behandeltem ulnarem Impaktionssyndrom – ist eine ulnare Verkürzungsosteotomie immer erforderlich oder kann eine Handgelenksarthroskopie ausreichend sein?
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Das ulnare Impaktionssyndrom beschreibt eine ulnokarpale Schmerzsymptomatik, welche durch Kompression und folgender Schädigung des TFCC entsteht. Eine häufige Ätiologie ist die Ulna-Plus-Varianz, die kongenital oder posttraumatisch bedingt sein kann (Terzis et al. 2020). Klinisch präsentieren sich die Patienten mit Schmerzen und eingeschränkter Beweglichkeit des Handgelenks (Beyermann et al. 1999). Nach erfolgloser konservativer Therapie wird eine Arthroskopie mit Synovialektomie und Glättung des TFCC durchgeführt; persistieren die Symptome weiterhin folgt eine Ulnaverkürzungsosteotomie (Terzis et al. 2019, Cardoso et al. 2020, Hassan et al. 2019). Ziel der Studie ist die Analyse der postoperativen Ergebnisse hinsichtlich der Symptomlinderung nach arthroskopischer Therapie im Vergleich zur Ulnaverkürzungsosteotomie.
Material und Methoden: Es wurden alle Patienten identifiziert, die zwischen 2017 und 2023 an der Universitätsmedizin Göttingen aufgrund von persistierenden Beschwerden bei Ulna-Plus-Varianz eine operative Therapie erhielten (n = 52). Diese wurden in eine Gruppe G1 mit ausschließlich arthroskopischer Therapie (n = 15) und in eine Gruppe G2 mit abschließender Therapie per Ulnaverkürzungsosteotomie (n = 37) eingeteilt. Die Datenerhebung umfasste die retrospektiven klinischen Untersuchungs- und Operationsdaten (alle 52 Patienten); die aktuellen klinischen Daten zu Schmerzen, Bewegungsumfängen und Griffkraft (24 Patienten; G1: n = 4; G2: n = 20); sowie die aktuell ausgefüllten DASH- und PRWE-Fragebögen (23 Patienten; G1: n = 4; G2: n = 19). Diese Daten wurden dann zwischen den beiden Gruppen im Hinblick auf das bessere postoperative Outcome analysiert.
Ergebnisse: Es zeigt sich, dass Patienten aus der G2-Kohorte signifikant bessere Ergebnisse im DASH-Fragebogen (DASH-Score G1: 54,75; G2 21,63) und im PRWE-Fragebogen (PRWE-Score G1: 59,75; G2: 24,42) erzielten. Des Weiteren gaben sie weniger Schmerzen in Ruhe (NRS G1: 3,5; G2: 1,2) und unter Belastung (NRS G1: 6,5; G2: 3,2) an und ein besseres funktionelles Ergebnis hinsichtlich der Handgelenksbeweglichkeit (Defizit Dorsalextension G1: -8,75 °; G2: -6,25 °; Defizit Palmarflexion G1: -15,00 °; G2: -8,75 °; Defizit Radialdeviation G1: -2,50 °; G2: -2,25 °; Defizit Ulnardeviation G1: -7,50 °; G2: -3,75°, Defizit Supination G1: -12,50 °; G2: -3,75 °; Defizit Pronation G1: -5,00 °; G2: -1,75 °) konnte erreicht werden. Außerdem konnte ein geringerer aktueller Analgetikagebrauch (G1: 50%; G2: 15,8%), eine niedrigere Berufswechselrate (G1: 25%; G2: 15,8%) und eine niedrigere Sportwechselrate (G1: 50%; G2: 26,3%) beobachtet werden.
Diskussion und Schlussfolgerung: Auf Grundlage der Studienergebnisse wird der derzeitige operative Algorithmus für das ulnare Impaktionssyndrom an unserer Klinik geändert und überprüft, ob ein kombiniertes Vorgehen aus Arthroskopie und Ulnaverkürzungsosteotomie von Vorteil ist.



