Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Von der Planung zum Knochen – wie präzise sind 3D-geführte Korrekturosteotomien des Unterarms?
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Die dreidimensionale (3D) präoperative Planung hat sich als wesentliches Instrument zur Korrektur komplexer Fehlstellungen des Unterarms etabliert und ermöglicht eine individualisierte Rekonstruktion der Anatomie. Obwohl die Methode zunehmend klinisch eingesetzt wird, existieren bislang nur begrenzte objektive Daten zur Genauigkeit der Übertragung der virtuellen Planung auf das operative Ergebnis. Ziel dieser Studie war es, die Genauigkeit 3D-geplanter Korrekturosteotomien des Unterarms zu evaluieren. Hierzu wurden die geplante und die postoperative Knochenstellung mittels CT-basierter Analyse hinsichtlich Winkel- und Translationsabweichungen verglichen.
Material und Methoden: Eingeschlossen wurden Patientinnen und Patienten im Rahmen einer retrospektiven Studie, die sich aufgrund extraartikulärer Fehlstellungen einer 3D-geplanten Korrekturosteotomie von Radius und/oder Ulna unterzogen. Die präoperativen 3D-Planungen wurden mit postoperativen CT-Aufnahmen, die zwölf Wochen nach der Operation angefertigt wurden, verglichen. Bewertet wurden translationale und Winkelabweichungen in allen Ebenen sowie Veränderungen der Knochenlänge, der radialen Inklination, des palmaren Tilts, der Ulnavarianz und der Rotationsausrichtung. Es erfolgten deskriptive statistische Analysen und eine Überprüfung der Messreproduzierbarkeit.
Ergebnisse: Insgesamt wurden neun Patientinnen und Patienten mit dreizehn Osteotomien (9x Radius, 4x Ulna) eingeschlossen. Die mittlere Winkelabweichung zwischen Planung und postoperativem Ergebnis betrug 2,7 ± 1,8°, die mittlere Translationsabweichung 1,8 ± 1,2 mm. Bei Radiuskorrekturen verbesserte sich die radiale Inklination von 10,8 ± 4,2° auf 22,1 ± 3,5°, der palmare Tilt von –5,2 ± 6,4° (dorsal) auf 12,6 ± 4,9° (volar). Die axiale Rotationskorrektur betrug im Mittel 15,3 ± 7,6°, was eine deutliche Wiederherstellung der Pro-/Supinationsachse widerspiegelt. Bei Ulnakorrekturen betrug die mittlere Längenabweichung 1,3 ± 0,9mm, die Ulnavarianz wurde im Mittel um 2,1 ± 1,3 mm korrigiert und lag postoperativ in den meisten Fällen innerhalb von ± 1 mm der Gegenseite. Insgesamt erreichten 83% aller Fälle Abweichungen unter 3° bzw. 3 mm, was eine hohe chirurgische Präzision belegt. Die Interrater-Reliabilität war sehr gut (ICC = 0,98; 95 %-KI 0,94–0,99; p < 0,001). Diese minimalen Abweichungen sind als minimal einzustufen und zeigen eine höhere Genauigkeit gegenüber konventioneller, nicht 3D-gestützter Verfahren deutlich.
Diskussion und Schlussfolgerung: 3D-geplante Korrekturosteotomien des Unterarms ermöglichen eine äußerst präzise anatomische Rekonstruktion mit nur minimaler Abweichung von der präoperativen Planung und bestätigen erstmals die hohe Genauigkeit und Reproduzierbarkeit der 3D-gestützten Korrekturchirurgie am Unteram.



