Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
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Sequentielle Destabilisierung der Sprunggelenkssyndesmose unter standardisierter Außenrotationsbelastung – eine biomechanische Analyse
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Die Stabilität der distalen Tibiofibularsyndesmose beruht auf dem Zusammenspiel mehrerer ligamentärer und ossärer Strukturen. Ziel dieser experimentellen biomechanischen Studie war es, die Entwicklung der Instabilität bei sequentieller Destabilisierung zu analysieren und den relativen Beitrag einzelner Strukturen zur Gesamtinstabilität zu quantifizieren.
Material und Methoden: An humanen Sprunggelenkspräparaten erfolgte eine standardisierte, schrittweise Destabilisierung der Syndesmose in zwei Sequenzen: von anterior oder von posterior beginnend. Die Destabilisierung erfolgte schrittweise durch Durchtrennung anteriorer, interossärer und posteriorer Syndesmosenstrukturen sowie des medialen Deltabandes. Die Syndesmose wurde mittels wiederholter Außenrotationsbelastung im biomechanischen Versuchsaufbau standardisiert gestresst. Die Instabilität wurde anhand der tibiofibularen Diastase mit der 3D-Kamera (Aramis 3D, Fa. Zeiss) gemessen und auf den intakten Zustand (0% Instabilität) sowie den experimentell definierten maximalen instabilen Zustand (100% Instabilität) nach kompletter Durchtrennung normiert. Analysiert wurde schrittweiser sowie kumulativer Anteil an der Zunahme der Instabilität. Die statistische Auswertung erfolgte mittels GLM für Messwiederholungen.
Ergebnisse: In beiden Destabilisierungssequenzen (a-p oder p-a) nahm die Instabilität mit zunehmender sequentieller Durchtrennung kontinuierlich zu. Zwischen beiden Durchtrennungssequenzen zeigte sich kein signifikanter Unterschied in der Instabilität (p=0,837) und kein signifikanter Interaktionseffekt mit dem Destabilisierungsschritt (p=0,057). Für die Sequenz von anterior finden sich keine signifikanten paarweisen Unterschiede (p>0,133) zwischen den Destabilisierungsschritten. In der von posterior beginnenden Sequenz zeigte der letzte Destabilisierungsschritt (anteriore Syndesmose) einen signifikant höheren Anteil an der Instabilität im vergleich zu allen vorherigen Schritten (p<0,034).
Diskussion und Schlussfolgerung: Die Ergebnisse unterstützen eine kumulative Stabilitätswirkung der Syndesmosenbänder, wobei eine relevante Instabilität erst bei Verlust nahezu aller Bandstrukturen auftrat. Dies scheint unabhängig von der Richtung der Durchtrennungssequenz zu sein. Entscheidend scheint also weniger die Läsion einer spezifischen Einzelstruktur als vielmehr das Erreichen eines kritischen Strukturversagens. Dieses Verhalten könnte die eingeschränkte Sensitivität isolierter klinischer und bildgebender Tests erklären und unterstreicht die Notwendigkeit einer umfangreicheren, funktionsorientierten Beurteilung bei Verdacht auf Verletzungen der Syndesmose.



