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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Inzidenz von nicht offensichtlicher präoperativer tiefer Venenthrombose bei Patient:innen mit traumatischer Sprunggelenksluxationsfraktur

Ben Kirst - Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Plastische Chirurgie, Leipzig, Deutschland
Simon Yacoub - Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Plastische Chirurgie, Leipzig, Deutschland
Firas Souleiman - Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Plastische Chirurgie, Leipzig, Deutschland
Katja Sibylle Mühlberg - Klinik für Angiologie, Leipzig, Deutschland
Christian Kleber - Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Plastische Chirurgie, Leipzig, Deutschland
Robert Hennings - Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Plastische Chirurgie, Leipzig, Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Tiefe Venenthrombosen (TVT) sind eine relevante Komplikation in der Unfallchirurgie und können zu lebensbedrohlichen Komplikationen wie Lungenembolien führen. In der Literatur finden sich präoperative TVT-Raten von 6% bei Sprunggelenksfrakturen. Individuellen Risikofaktoren, traumatische Intimaläsion und eine Immobilisation stellen Risikofaktoren dar. Vor dem Hintergrund der begrenzten Datenlage zur präoperativen TVT bei Sprunggelenksfrakturen im europäischen Raum, soll in dieser Studie mittels etabliertem Screening-Algorithmus die Inzidenz präoperativer tiefer Venenthrombosen (TVT) bei Patient:innen mit akuten Sprunggelenksfrakturen und perioperativer Thromboseprophylaxe untersucht werden.

Material und Methoden: In dieser prospektiven Einzelzentrumsstudie wurden 100 Patient:innen (≥18 Jahre) mit akuter Sprunggelenksluxationsfraktur, die zwischen 09/2024 und 01/2026 operativ versorgt und nach Lauge-Hansen klassifiziert wurden, eingeschlossen. Gemäß dem Studienprotokoll war die Duplexsonographie frühestens am Tag vor der definitiven Osteosynthese vorgesehen. Alle Patient:innen erhielten eine präoperative sowie postoperative Thromboseprophylaxe mit niedermolekularem Heparin (NMH) und wurden entsprechend des Redressionsverfahrens in die Fixateur externe und die Gips-Gruppe engeteilt. Ausschlusskriterien waren konservative Therapie, Ablehnung der Untersuchung, Duplexsonographie > einem Tag vor definitiver Osteosyntheseversorgung und Unterschenkelfrakturen mit Sprunggelenksbeteiligung. Erfasst wurden patientenbezogene Risikofaktoren, Laborparameter, Traumamechanismen, Fraktur- und Weichteilklassifikationen sowie therapiebezogene Zeitintervalle, operative Daten, Komplikationen und Aufenthaltsdauer.

Ergebnisse: Achtundsechzig Patient:innen (68%; Gruppe I) wurden frühestens unmittelbar einen Tag vor der operativen Therapie gescreent, im Mittel 5,17 Tage nach dem Trauma, Geschlechterverteilung m:w 29:39; mittleres Alter bei OP 47,0 Jahre (SD 18,61); medianer BMI: 27,6 kg/m2 (SD 6,92); links:rechts: 34:34, 34 wurden mittels Fixateur externe und 34 mittels Spaltgips redressiert. Zweiunddreißig Patient:innen (32%; Gruppe II) wurden im Mittel 2,91 Tage (SD 3,6) vor der definitiven Osteosynthese sonografiert und wiesen eine vergleichbare Alters- und Geschlechtsstruktur wie Gruppe I auf (p≥0,05). Eine Patientin wies eine TVT am 5. Tag nach dem Unfall auf, was 1% der Kohorte entsprach.

Diskussion und Schlussfolgerung: Die präoperative TVT-Inzidenz betrug 1% bei Patient:innen mit Sprunggelenksluxationsfraktur unter standardisierter NMH-Prophylaxe. Dies bestätigt die Sicherheit der präoperativen Weichteilkonditionierung unabhängig vom Redressionsverfahren. Eine routinemäßige präoperative Duplexsonographie ist nicht zwingend indiziert und sollte lediglich bei klinischem Verdacht durchgeführt werden. Die niedrige TVT-Rate im Vergleich zur Literatur spricht für einen protektiven Effekt der NMH-Prophylaxe.