Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Funktionelle und sozioökonomische Langzeitergebnisse nach zentralen Talusfrakturen
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Zentrale Talusfrakturen sind seltene, prognostisch ungünstige Verletzungen mit funktionellen Defiziten und eingeschränkter Belastbarkeit. Daten über die Rückkehr zur Arbeitsfähigkeit und sozioökonomischen Konsequenzen sind begrenzt. Ziel war die Erfassung funktioneller Ergebnisse sowie der Auswirkungen auf Arbeitsfähigkeit, Folgeeingriffe und psychische bzw. schmerztherapeutische Betreuung.
Material und Methoden: Es wurde eine retrospektive, monozentrische Kohortenstudie (Evidenzgrad C) durchgeführt. Eingeschlossen wurden 63 konsekutive Personen mit zentraler Talusfraktur (Taluscorpus- oder Talushalsfraktur); 40 wurden bei einem mittleren Follow-up von 72,8 Monaten klinisch nachuntersucht. Die funktionellen Ergebnisse wurden mittels Foot and Ankle Disability Index (FADI-Activities of Daily Living und FADI-Sport), American Orthopaedic Foot and Ankle Society (AOFAS)-Score, Olerud-&-Molander-Ankle-Score (OMAS) erhoben. Zusätzlich wurden berufliche Reintegration, Folgeeingriffe (Metallentfernung, Arthrolyse, Debridement, Arthrodese) sowie schmerztherapeutische und psychotraumatologische Behandlungen dokumentiert. Unabhängige Einflussfaktoren auf funktionelle und sozioökonomische Endpunkte wurden mittels multipler linearer Regressionsanalyse untersucht.
Ergebnisse: Die mittleren Score-Werte betrugen 72,6 Punkte (AOFAS), 58,7 Punkte (OMAS), 80,7 Punkte (FADI-ADL) und 41,4 Punkte (FADI-Sport) und zeigten mittlere bis befriedigende funktionelle Resultate mit relevanten Einschränkungen der Alltags- und insbesondere der sportlichen Belastbarkeit. Zwischen Taluscorpus- und Talushalsfrakturen ergaben sich keine signifikanten Score-Unterschiede. Hawkins- und Marti-Weber-Grad-III/IV-Verletzungen zeigten tendenziell ungünstigere funktionelle Ergebnisse, erreichten jedoch aufgrund p > 0,05 keine statistische Signifikanz. Eine uneingeschränkte Rückkehr zur vorbestehenden beruflichen Tätigkeit gelang 12 von 40 Personen (30%). Insgesamt 28 Personen (70%) benötigten mindestens einen Folgeeingriff, davon 22 Metallentfernungen (55%), 17 Arthrolysen/Debridements (42,5%), 8 Arthrodesen (20%). Sieben Personen (17,5%) erhielten schmerztherapeutische Behandlungen, 13 Personen (32,5%) psychotraumatologische Unterstützung; diese war signifikant häufiger bei Polytraumatisierten erforderlich (p = 0,007).
Diskussion und Schlussfolgerung: Zentrale Talusfrakturen führen trotz überwiegend befriedigender Scores und häufig notwendiger Folgeoperationen langfristig zu relevanten funktionellen Defiziten, eingeschränkter Belastbarkeit und erheblichen sozioökonomischen Folgen mit eingeschränkter beruflicher Reintegration. Polytraumatisierte Personen weisen ein erhöhtes Risiko für psychotraumatologischen Behandlungsbedarf auf. Die Ergebnisse unterstreichen die prognostische Bedeutung dieser Verletzungen und die Notwendigkeit strukturierter, interdisziplinärer Nachsorge mit frühzeitiger Rehabilitation, adäquater Schmerztherapie, psychosozialer Unterstützung und realistischer Aufklärung über zu erwartende Einschränkungen.



