Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Zusammenhang des nativradiologischen Fußalignments mit der Lokalisation osteochondraler Läsionen des Talus
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Osteochondrale Läsionen des Talus (OCT) sind eine häufige Ursache persistierender Schmerzen und Schwellungen am oberen Sprunggelenk (OSG). Neben einer traumatischen Genese wird eine veränderte biomechanische Belastung als Ursache diskutiert. Ziel der Studie war es, den Zusammenhang zwischen nativradiologischem Fußalignment und der Lokalisation von OCTs zu untersuchen.
Material und Methoden: In einer retrospektiven Studie wurden PatientInnen eingeschlossen, die operativ wegen symptomatischer OCT behandelt wurden. Präoperative, belastete Röntgenbilder wurden hinsichtlich verschiedener Alignment-Parameter ausgewertet:Hindfoot Moment Arm (HMA), Medial Distal Tibial Angle (MDTA), Anterior Distal Tibial Angle (ADTA), Talar Tilt (TT), Calcaneal Inclination Angle (CI), Lateral Meary-Angle (MA), Talar Radius (TR), Tibiotalar Sector (TTS) undTalo-Navicular Uncoverage Percentage (TUP). Die Lokalisation der Läsionen wurde nach der 9-Zonen-Klassifikation nach Raikin in medial, lateral und zentral eingeteilt. Gruppenunterschiede der Winkel wurden mit Kruskal-Wallis-Tests (und Mann-Whitney-U für Paarvergleiche) untersucht, unabhängige Prädiktoren der Lokalisation mittels multinomialer logistischer Regression mit LASSO-Regularisierung identifiziert.
Ergebnisse: Insgesamt wurden 117 Fälle analysier (90 medial, 17 lateral, 7 zentral). Es zeigten sich signifikante Unterschiede der Parameter TT und CI zwischen medialen, lateralen und zentralen Läsionen (Kruskal-Wallis p < 0.05). Der TT war bei lateralen Läsionen im Vergleich zu medialen Läsionen signifikant valgischer (p = 0.039). Zudem zeigte sich bei lateralen Läsionen eine Tendenz zu einem erhöhten CI (p = 0.09) und einem negativeren MA (p = 0.093). Im multivariaten Modell war ein erhöhter TT der stärkste unabhängige Prädiktor für laterale (OR 1.59; p = 0.029) und zentrale OCTs (OR 4.57; p = 0.004) im Vergleich zu medialen; zentrale Läsionen waren zusätzlich mit einem verminderten ADTA assoziiert.
Diskussion und Schlussfolgerung: Ein valgischer TT erwies sich als stärkster Prädiktor für laterale und insbesondere zentrale OCTs, während ein verminderter ADTA zusätzlich mit zentralen Läsionen assoziiert war. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass neben dem globalen Alignment auch eine mögliche mediale Instabilität zur Entwicklung lateraler und zentraler OCTs beitragen kann, was in Diagnostik und Therapieplanung berücksichtigt werden sollte.



