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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Multimodale Diagnostik der periprothetischen Infektion nach Sprunggelenksendoprothese

Kathrin Pfahl - Schön Klinik München Harlaching, München, Deutschland
Anke Röser - Schön Klinik München Harlaching, München, Deutschland
Markus Walther - Schön Klinik München Harlaching, München, Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Die Diagnostik der periprothetischen Gelenkinfektion (PJI) nach totaler Sprunggelenksarthroplastik (TAA) ist anspruchsvoll und es existieren keine etablierten sprunggelenksspezifischen Algorithmen. Ziel dieser Studie war die Analyse des diagnostischen Werts klinischer, laborchemischer, bildgebender sowie mikrobiologischer und histopathologischer Parameter unter Anwendung der EBJIS-Definition.

Material und Methoden: Es handelt sich um eine retrospektive monozentrische Beobachtungsstudie von 57 Patienten mit Verdacht auf PJI nach totaler Sprunggelenksendoprothese im Zeitraum von 2020 bis 2023. Die Klassifikation erfolgte gemäß den Kriterien der European Bone and Joint Infection Society (EBJIS) in die Kategorien „Infektion unwahrscheinlich“, „Infektion wahrscheinlich“ und „Infektion gesichert“. Erfasst wurden klinische Parameter, systemische Entzündungswerte, Ergebnisse der Gelenkpunktion (Leukozytenzahl, Anteil neutrophiler Granulozyten, Keimnachweis in Blutkulturflaschen), bildgebende Verfahren (CT/DVT, 99mTc-SPECT/CT) sowie intraoperativ gewonnene mikrobiologische, histologische Befunde (SLIM-Klassifikation, CD15-Score) und Sonikationsergebnisse. Zur statistischen Auswertung wurden Korrelationsanalysen nach Spearman, Gruppenvergleiche (ANOVA, Chi²-Test, Kruskal-Wallis-Test) sowie L1-penalisierte logistische Regressionsanalysen durchgeführt.

Ergebnisse: Von 57 Patientinnen und Patienten wurden 33 (57,9%) als „Infektion unwahrscheinlich“, 5 (8,8%) als „wahrscheinlich“ und 19 (33,3%) als „gesichert“ klassifiziert. Eine ausreichende Punktatmenge für zytologische Analysen konnte lediglich in 61,4% der Fälle erzielt werden. Die stärksten Korrelationen mit dem Vorliegen einer PJI zeigten das 99mTc-SPECT/CT (rs = 0,88), der Anteil neutrophiler Granulozyten im Punktat (rs = 0,69; p < 0,001), der Keimnachweis in Blutkulturflaschen (rs = 0,67; p < 0,001), die mikrobiologischen Befunde periprothetischen Gewebes (rs = 0,81; p < 0,001) sowie die Sonikation (rs = 0,69; p < 0,001). Das präoperative Regressionsmodell wies eine hohe Diskriminierungsleistung auf (Pseudo-R² = 0,75), wobei der Anteil neutrophiler Granulozyten den stärksten Prädiktor darstellte (OR = 16,49). Das intraoperative Modell zeigte ebenfalls eine gute, jedoch geringere Diskriminierungsfähigkeit (Pseudo-R² = 0,59).

Diskussion und Schlussfolgerung: Die Diagnostik der PJI nach TAA erfordert ein multimodales Vorgehen. Präoperative Parameter ermöglichen eine Risikostratifizierung, sind jedoch durch limitierte Punktatmengen häufig eingeschränkt. 99mTc-SPECT/CT kann in unklaren Fällen wertvolle Zusatzinformationen liefern. Die integrierte Bewertung mikrobiologischer, histologischer und Sonikationsbefunde bleibt zentral für die diagnostische Gesamteinschätzung.