Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
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Kumulative Revisionsraten in Abhängigkeit von der azetabulären Komponente in der primären Hüftgelenktotalendoprothetik – eine Analyse des Deutschen Endoprothesenregisters (EPRD)
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Während moderne Zementiertechniken der dritten Generation die Ergebnisse der zementierten Fixation optimiert haben, wird in Deutschland derzeit überwiegend die zementfreie azetabuläre Fixation bevorzugt. Bei älteren Patientinnen und Patienten deuten internationale Registerdaten jedoch auf einen möglichen Vorteil zementierter azetabuläre Fixationsstrategien hin. Die Analyse der Standzeiten von zementierten azetabulären Komponenten in Deutschland scheint ist vor dem Hintergrund steigender Zahlen an Totalendoprothesen (TEP) der Hüfte und einer alternden Bevölkerung von hohem Interesse.
Material und Methoden: Es wurde eine registerbasierte Kohortenanalyse von 330.910 primären Hüft-TEPs durchgeführt, die zwischen dem 12. November 2012 und dem 31. März 2024 im Deutschen Endoprothesenregister (EPRD) erfasst wurden. Ausgewertet wurden Abrechnungsdaten der gesetzlichen Krankenversicherung, Produktdatenbanken der Implantathersteller sowie elektronische Krankenhausfalldokumentationen mit besonderem Augenmerk auf der longitudinalen Nachverfolgung von Revisionen jeglicher Ursache sowie der Mortalität. Die Hüft-TEPs wurden nach Art der azetabuläre Komponente gruppiert (zementfrei hemisphärisch; zementiertes PE/XPE; Schraubpfanne; Dual-Mobility). Revisionen aus jeglicher Ursache nach acht Jahren wurden mittels Kaplan-Meier-Analysen und Cox-Regressionen untersucht, adjustiert für Alter (<75 und ≥ 75 Jahre; <80 und ≥80 Jahre) und Art der femoralen Schaftfixation (zementiert vs. zementfrei).
Ergebnisse: Altersstratifizierte Analysen zeigten bei Patienten <75 Jahre höhere Revisionsraten für zementierte PE- und XPE-Pfannen (jeweils 7,7%) im Vergleich zu ≥75-Jährigen (5,1% für PE; 4,5% für XPE). Bei <75-Jährigen wurde die absolut niedrigste Revisionsrate bei zementfreier THA beobachtet (3,8%). Bei ≥75-Jährigen erzielte die Kombination aus zementierter XPE-Pfanne und zementiertem Schaft – zusammen mit der Hybrid-THA – die niedrigste Achtjahres-Revisionsrate (4,1%). Unter den 80-Jährigen (n = 63.278) wiesen zementierte PE/XPE-Pfannen die höchste Achtjahres-Überlebensrate auf (4,5%) und waren hemisphärischen Press-fit-Pfannen signifikant überlegen (5,4%) (p = 0,015), unabhängig von der Art der femoralen Fixation.
Diskussion und Schlussfolgerung: Nationale deutsche Registerdaten zeigen, dass zementfreie hemisphärische Press-fit-Pfannen zwar über alle Altersgruppen hinweg die am häufigsten verwendete azetabuläre Fixationsmethode in Deutschland ist, zementierte (X)PE-Pfannen jedoch in ausgewählten älteren Subgruppen (>80 Jahre) einen klinisch relevanten Überlebensvorteil bieten, insbesondere in Kombination mit zementierter femoraler Fixation. Für Patientinnen und Patienten <75 Jahre, insbesondere bei zementfreier femoraler Fixation, blieben hemisphärische Press-fit-Pfannen jedoch die Option mit dem besten revisionsfreien Überleben.



