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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Analyse der innerklinischen Stürze an einem deutschen Universitätsklinikum über die Jahre 2017–2023 in Bezug auf Risikofaktoren für Mehrfachstürze und Frakturen anhand von 4.741 Fällen

Alexander Grüner - Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie, Universitätsklinikum Regensburg, Regensburg, Deutschland
Daniel Mahr - Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie, Universitätsklinikum Regensburg, Regensburg, Deutschland
Josina Straub - Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie, Universitätsklinikum Regensburg, Regensburg, Deutschland
Jonas Krückel - Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie, Universitätsklinikum Regensburg, Regensburg, Deutschland
Susanne Bärtl - Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie, Universitätsklinikum Regensburg, Regensburg, Deutschland
Ursula Braun - Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie, Universitätsklinikum Regensburg, Regensburg, Deutschland
Daniel Zederbauer - Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie, Universitätsklinikum Regensburg, Regensburg, Deutschland
Volker Alt - Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie, Universitätsklinikum Regensburg, Regensburg, Deutschland
Siegmund Lang - Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie, Universitätsklinikum Regensburg, Regensburg, Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Innerklinische Stürze sind eine häufige Komplikation stationärer Aufenthalte und gehen mit Verletzungen sowie verlängerten Liegezeiten einher. Ziel dieser Arbeit war die systematische Analyse innerklinischer Sturzereignisse und der Vergleich von Einfach- und Mehrfachstürzen hinsichtlich Häufigkeit, Umstände, Verletzungsfolgen und Risikoprofilen.

Material und Methoden: In dieser monozentrischen, prospektiven Kohortenstudie wurden innerklinische Stürze volljähriger Patient:innen analysiert, die zwischen 2017–2023 während eines stationären Aufenthalts am Universitätsklinikum einen oder mehrere Stürze erlitten hatten. Grundlage bildeten standardisierte Sturzprotokolle. Erfasst wurden demografische Daten, Sturzcharakteristika, -zeiten und -orte, Verletzungsfolgen sowie intrinsische und extrinsische Risikofaktoren. Einfach- und Mehrfachstürze wurden vergleichend untersucht. Die statistische Auswertung erfolgte mittels deskriptiver Verfahren, Chi-Quadrat-Tests sowie linearer, logistischer und Poisson-Regressionen. Ein multivariates logistisches Modell zur Prädiktion von Mehrfachstürzen wurde entwickelt und mittels ROC-Analyse evaluiert.

Ergebnisse: Von 233.565 stationär behandelten Erwachsenen erlitten 3.570 insgesamt 4.741 Stürze (Sturzrate 1,53%). 79% der Betroffenen stürzten einmalig, 21% mehrfach. Im Beobachtungszeitraum nahm die Zahl der Mehrfachstürze um 18,67 Ereignisse pro Jahr ab (p=0,03), das jährliche Risiko sank um 6,5% (p<0,01), während die Gesamtsturzhäufigkeit konstant blieb. Männer stürzten häufiger einfach und mehrfach (p<0,01), wiesen jedoch eine geringere Rate aufeinanderfolgender Stürze auf (IRR=0,92; p=0,01). Die Anzahl aufeinanderfolgender Stürze reichte von 2 bis 11 (Median:6,5). Das mittlere Alter betrug 70±12,4 Jahre. Die meisten Stürze ereigneten sich nachts (53%; p<0,01), im Patientenzimmer (75,7%) und während der Mobilisation (60,3%). Wichtige Risikofaktoren für Mehrfachstürze waren männliches Geschlecht (OR=1,33), Mobilitätsstörungen oder Gangunsicherheit (OR=1,56) sowie Stoffwechselerkrankungen (OR=1,30; jeweils p<0,01). Von 2.203 Stürzen mit Verletzungsfolgen traten 75 Frakturen (2%) auf, überwiegend nach Stürzen aus dem Stand (p=0,03); ein Sturz in der Vorgeschichte erhöhte das Frakturrisiko (OR=1,91; p=0,02). Bettgitter zeigten einen protektiven Effekt (OR=0,66; p<0,05), während eine Sitzwache mit als Indikator für ein erhöhtes Mehrfachsturzrisiko gedeutet werden konnte (OR=2,24; p<0,01). Der entwickelte Risikoscore zeigte eine moderate Diskriminationsfähigkeit (AUC=0,59) mit einer Sensitivität von 63% und einer Spezifität von 51%.

Diskussion und Schlussfolgerung: Mehrfachstürze stellen ein relevantes klinisches Ereignis im stationären Setting dar. Die Ergebnisse liefern wichtige Ansatzpunkte für eine risikoadaptierte Sturzprävention. Der entwickelte Score eignet sich insbesondere zur Identifikation von Patient:innen mit niedrigem Mehrfachsturzrisiko sowie zur Priorisierung präventiver Maßnahmen bei Hochrisikopatient:innen; zur Bewertung des klinischen Nutzens sind weitere Studien erforderlich.