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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Unfallmechanismus, Verletzungsmuster und Outcome bei geriatrischen Schockraumpatienten

Jonas Wrba - Universitätsklinikum Augsburg, Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie, Plastische und Handchirurgie, Augsburg, Deutschland
Henriette Arnold - Universitätsklinikum Augsburg, Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie, Plastische und Handchirurgie, Augsburg, Deutschland
Rebecca Wunder - Universitätsklinikum Augsburg, Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie, Plastische und Handchirurgie, Augsburg, Deutschland
Magdalena Erchinger - Universitätsklinikum Augsburg, Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie, Plastische und Handchirurgie, Augsburg, Deutschland
Edgar Mayr - Universitätsklinikum Augsburg, Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie, Plastische und Handchirurgie, Augsburg, Deutschland
Johanna Abelmann-Brockmann - Universitätsklinikum Augsburg, Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie, Plastische und Handchirurgie, Augsburg, Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Mit der alternden Bevölkerung nimmt der Anteil der im Schockraum behandelten Patienten ≥65 Jahre stetig zu. In dieser Studie sollen die Unterschiede im Verletzungsmuster, klinischen Management und Outcome zwischen geriatrischen und jüngeren Patienten untersucht werden.

Material und Methoden: Es wurden retrospektiv die im Zeitraum vom 01.01.2020 bis 31.12.2022 im Schockraum eines Maximalversorgers behandelten Patienten analysiert. Ausgeschlossen wurden Patienten mit nicht-traumatologischen Krankheitsbildern. Untersucht wurden in anonymisierter Form klinische Daten wie Alter, Geschlecht, Unfallmechanismus, Verletzungsmuster, Daten des stationären Aufenthaltes und der Therapie sowie im Rahmen der Routinediagnostik erfasste Laborparameter. Die statistische Auswertung erfolgt mittels t-Test, ANOVA bzw. Chi-Quadrat-Test.

Ergebnisse: Ausgewertet wurden die Daten von ca. 2.000 Behandelten, 66,7% Männer und 33,3% Frauen. Das Durchschnittsalter lag bei 44,5 Jahren, 22,5% der Untersuchten waren ≥65 Jahre alt. Diese wurden nochmals in Subgruppen untersucht. 9,9% des Kollektivs waren 65–74 Jahre, 9,1% 75–84 Jahre und 3,5% ≥85 Jahre alt. Bei geriatrischen Patienten (≥65 Jahre) lag der durchschnittliche ISS bei 13,88, bei jüngeren Patienten nur bei 8,62, (p<0,01). Der AIS für die Region Kopf lag bei Patienten ≥65 Jahren bei 1,76, bei jüngeren nur bei 0,99 (p<0,001). Geriatrische Patienten waren zu 22,2% antikoaguliert und nahmen zu 28,0% Thrombozytenaggregationshemmer ein, bei jüngeren Untersuchten war dies nur bei 1,0 bzw. 2,4% der Fall (p<0,01). Bei geriatrischen Patienten war die Unfallursache zu 50,0% ein ebenerdiger Sturz oder ein Sturz <3 m, bei jüngeren Patienten war dies nur bei 17,7% der Fall (p<0,001). Die Mortalität im Rahmen des stationären Aufenthaltes betrug bei Patienten ≥65 Jahren 16,5%, bei jüngeren lediglich 2,3% (p<0,001). In der genaueren Analyse lag die Mortalität bei 65–74-Jährigen bei 12,4%, bei 75–84-Jährigen 15,8% und über 85 Jahren 30,0%. Auch die Komplikationsraten zeigten sich bei geriatrischen Patienten deutlich erhöht. So entwickelten 2,1% der geriatrischen Patienten eine Sepsis, jedoch nur 0,5% der jüngeren. Ebenso entwickelten 12,5% der älteren Pateinten ein Delir und 8,0% eine akute Nierenschädigung, während dies bei jüngeren nur bei 2,8% bzw. 1,9% der Fall war (jeweils p<0,001).

Diskussion und Schlussfolgerung: Geriatrische Schockraumpatienten verunfallen häufiger im Rahmen von Bagatelltraumata, haben im Durschnitt einen höheren ISS und insbesondere schwerere Kopfverletzungen. Des Weiteren ist die Mortalität und die Komplikationsrate im Rahmen des stationären Aufenthalts deutlich erhöht und die Erholung im Sinne einer zeitnahen Rückkehr in das selbstständige häusliche Leben deutlich erschwert. Bei geriatrischen Patienten sollte daher auch bei Bagatelltraumata an potentiell schwerwiegendere Verletzungen gedacht, die Indikation zur radiologischen Diagnostik großzügiger gestellt und ein auf die Patienten abgestimmtes frühzeitiges multiprofessionelles Rehabilitationskonzept angewendet werden.