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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Geriatric hips don’t lie? Frailty und postoperatives Outcome bei Schenkelhals- und Acetabulumfrakturen

Carolina Vogel - Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie an der Eberhard Karls Universität Tübingen, BG Klinik Tübingen, Tübingen, Deutschland
Anna Schiltenwolf - Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie an der Eberhard Karls Universität Tübingen, BG Klinik Tübingen, Tübingen, Deutschland
Christof Audretsch - Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie an der Eberhard Karls Universität Tübingen, BG Klinik Tübingen, Tübingen, Deutschland
Mika Rollmann - Universitätsklinikum Tübingen, Tübingen, Deutschland
Markus Küper - Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie an der Eberhard Karls Universität Tübingen, BG Klinik Tübingen, Tübingen, Deutschland
Tina Histing - Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie an der Eberhard Karls Universität Tübingen, BG Klinik Tübingen, Tübingen, Deutschland
Steven Herath - Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie an der Eberhard Karls Universität Tübingen, BG Klinik Tübingen, Tübingen, Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Die Inzidenz osteoporotischer Frakturen (OF) nimmt mit der zunehmenden Lebenserwartung kontinuierlich zu. Proximale Femurfrakturen, zu denen auch die Schenkelhalsfrakturen zählen (SHF), sind die häufigste OF und es besteht eine breite Evidenz mit etablierten Behandlungsstandards. Demgegenüber ist die Inzidenz geriatrischer Acetabulumfrakturen (AF) in den letzten zehn Jahren um 58% angestiegen, ohne dass bislang vergleichbar evidenzbasierte Therapiealgorithmen etabliert sind. Obwohl beide Frakturtypen anatomisch und funktionell eng verwandt sind, ist bislang nicht abschließend geklärt, ob sich Patient:innen (Pat.) mit SHF und AF hinsichtlich Morbidität und Gebrechlichkeit unterscheiden. Ziel dieser Studie war der systematische Vergleich geriatrischer Pat. mit SHF und AF hinsichtlich Gebrechlichkeit, perioperativem Verlauf und funktionellem posttraumatischem Outcome.

Material und Methoden: Die retrospektive, monozentrische Kohortenstudie (02/2019 bis 05/2024) erfolgte an einem universitären überregionalen Traumazentrum mit zertifiziertem Zentrum für Alterstraumatologie. Insgesamt wurden 204 Pat. im Alter von ≥ 70 Jahren gescreent (102 AF, 102 SHF), die initial 1:1 nach Alter und Geschlecht gematcht waren. Exkludiert wurden Pat. mit konservativer Therapie (n = 49), inkompletten Datensätzen (n = 5), präoperativem Versterben (n = 2) sowie nicht-akuten Frakturen (n = 1). In die finale Analyse gingen 147 operativ versorgte Pat. ein, die in einem 2:1-Matching (SHF:AF) nach Alter und Geschlecht verglichen wurden.

Ergebnisse: Insgesamt wurden 147 Pat. eingeschlossen (93 SHF, 54 AF; Alter 81,0 ± 6,3 Jahre). Hinsichtlich Morbidität und Gebrechlichkeit zeigten sich keine Unterschiede zwischen den Gruppen. Der Anteil von Pat. mit ASA-Score ≥ III, die Gebrechlichkeit anhand des Identification of Seniors at Risk (ISAR)-Scores und der Clinical Frailty Scale (CFS) sowie des Charlson Comorbidity Index (CCI) waren vergleichbar. Auch das Risiko weiterer osteoporotischer Frakturen (FRAX-Score) unterschied sich nicht. Im perioperativen Verlauf zeigten sich jedoch signifikante Unterschiede. Pat. mit AF warteten länger auf die operative Versorgung als Pat. mit SHF (74,8 vs. 18,6 h; p < 0,001). Die Operationsdauer war bei AF länger (180 ± 73 vs. 87 ± 33 min; p < 0,001) und mit einer höheren Transfusionsrate assoziiert (61,1% vs. 14,0%; p< 0,001). Zudem war der stationäre Aufenthalt bei AF länger (14 vs. 10 Tage; p < 0,001).

Diskussion und Schlussfolgerung: Geriatrische Pat. mit AF und SHF weisen eine vergleichbare Morbidität und Gebrechlichkeit auf, unterscheiden sich jedoch deutlich im perioperativen Verlauf. Diese Ergebnisse unterstreichen den Bedarf an standardisierten und altersadaptierten Behandlungskonzepten für AF, analog zu etablierten Strukturen bei SHF. Eine frühzeitige operative Versorgung sowie ein strukturiertes orthogeriatrisches Management könnten dazu beitragen, das funktionelle Outcome zu verbessern und die Autonomie sowie Lebensqualität nach AF zu erhalten.