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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Operationszeitpunkt und Verzögerungsmechanismen als Determinanten der intrahospitalen Mortalität nach proximaler Femurfraktur

Christian Walter Müller - Asklepios Wandsbek, Hamburg, Deutschland
Moeen Babayi - Asklepios Wandsbek, Hamburg, Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Besteht ein unabhängiger Zusammenhang zwischen der Zeit bis zur Operation und der intrahospitalen Mortalität nach proximaler Femurfraktur, wenn Patientenrisikoprofile, Frakturcharakteristika, Verzögerungsmechanismen und dokumentierte Therapiebegrenzungen berücksichtigt werden?

Material und Methoden: Retrospektive beobachtende Kohortenstudie konsekutiver erwachsener Patientinnen und Patienten mit operativ versorgter einseitiger proximaler Femurfraktur im Zeitraum 2022–2025. Die Zeit bis zur Operation wurde als Intervall zwischen Notaufnahmeregistrierung und Operationsbeginn definiert und dichotom (≤ 24 h vs. > 24 h) sowie anhand vordefinierter Zeitfenster analysiert. Verzögerungen > 24 h wurden als medizinisch begründet oder nicht-medizinisch klassifiziert. Primärer Endpunkt war die intrahospitale Mortalität. Multivariable logistische Regressionsanalysen erfolgten unter Adjustierung für Alter, Geschlecht, ASA-Klasse, Frakturtyp, begleitende orthopädische Verletzungen sowie dokumentierte Therapiebegrenzung (DNR/DNI). Bei geringer Ereignisrate wurde eine penalisiert-likelihood-Schätzung angewendet. Evidenzgrad: C.

Ergebnisse: Es wurden 925 Patientinnen und Patienten eingeschlossen, von denen 94,0% innerhalb von 24 Stunden operiert wurden. Die intrahospitale Gesamtmortalität betrug 5,8%. Die unadjustierte Mortalität lag bei 5,6% bei einer Operationszeit ≤ 24 h und bei 7,1% bei > 24 h, ohne signifikanten Unterschied. In den adjustierten Analysen war eine Operationsverzögerung über 24 Stunden nicht unabhängig mit der Mortalität assoziiert (adjustierte Odds Ratio 0,97). Höheres Alter, männliches Geschlecht, fortgeschrittene ASA-Klasse sowie dokumentierte Therapiebegrenzung zeigten hingegen starke unabhängige Assoziationen mit der Mortalität. Nach Stratifizierung nach Verzögerungsmechanismus war die Mortalität bei medizinisch begründeter Verzögerung höher (19,0%), während in der Gruppe mit nicht-medizinischer Verzögerung keine intrahospitalen Todesfälle beobachtet wurden; keiner der Verzögerungsmechanismen blieb nach Adjustierung signifikant.

Diskussion und Schlussfolgerung: Die intrahospitale Mortalität nach proximaler Femurfraktur wird primär durch Patientenvulnerabilität und Therapiebegrenzung bestimmt und nicht durch den Operationszeitpunkt jenseits von 24 Stunden. Zeitliche Schwellenwerte sollten daher vor allem als Prozess- und nicht als kausale Ergebnisindikatoren interpretiert werden.