Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
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Geriatrische Beckenringfrakturen – beeinflussen einliegende Hüft-Totalendoprothesen, Duokopfprothesen oder Osteosynthesen die Frakturmorphologie?
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Fragilitätsfrakturen des Beckenrings (FFP) gewinnen mit steigender Lebenserwartung zunehmend an klinischer Bedeutung. Gleichzeitig hat ein relevanter Anteil der Patienten bei Entstehen der Beckenringfraktur bereits eine Endoprothese oder Osteosynthese im Bereich des proximalen Femurs. Veränderte biomechanische Eigenschaften durch das Implantat sind vorstellbar, sodass Frakturmorphologie sowie Instabilitätsgrad der Beckenringfrakturen durch die einliegenden Implantate potenziell beeinflusst werden könnten. Ziel dieser Studie war daher die Untersuchung des Einflusses einer einliegenden Hüft-TEP, Hemiprothese oder Marknagelosteosynthese auf Morphologie und Therapie geriatrischer Beckenringfrakturen.
Material und Methoden: In einer retrospektiven Kohortenstudie wurden CT-Datensätze aller Patient*innen ≥65 Jahre analysiert, die zwischen 2012 und 2024 an einem deutschen Level-1-Traumazentrum aufgrund einer Beckenringfraktur behandelt wurden. Zwei unabhängige Fachärzt*innen klassifizierten die Frakturen gemäß FFP-Klassifikation. Zusätzlich wurde erfasst, ob und wenn ja welche Art von Endoprothese oder Osteosynthese vorhanden war. Zusätzlich wurde die Seite der Fraktur in Bezug auf das einliegende Implantat untersucht. Ausschlusskriterien waren pathologische Frakturen, Hochrasanztraumata sowie Spondylodesen ab L4.
Ergebnisse: Es wurden 412 Patient*innen eingeschlossen (86,4% weiblich, mittleres Alter 82,8 Jahre). Detaillierte Ergebnisse s. Tabelle 1 [Tab. 1]. Häufigste Ursache war das Niedrigenergietrauma (79,1%). 43% der Patient*innen wiesen eine einliegende Endoprothese oder Osteosynthese auf (Hüft-TEP 55,6%, Marknagel 28,7%, Duokopfprothese 7,3%). Isolierte vordere Beckenringfrakturen (FFP Ia/Ib) traten deutlich häufiger in der Gruppe mit als in der Gruppe ohne Implantat auf (23,6% vs. 16,3%), ebenso wie isolierte hintere Beckenringfrakturen (FFP IIa; 10,1 vs. 6,6%). Patient*innen mit Hüft-TEP oder Marknagel erlitten die Fraktur überwiegend ipsilateral, während bei Duokopfprothesen häufiger die begleitende Fraktur kontralateral lokalisiert war (53%). Insgesamt dominierten FFP-IIb-Frakturen (48,3%). Auch in den Implantatgruppen stellten FFP-IIb-Frakturen die häufigste Kategorie dar (45,5–61,5%), wobei Frakturen mit höheren Instabilitäten vermehrt bei Patient*innen mit einliegender TEP auftraten, verglichen mit den anderen Implantaten. Insgesamt zeigte sich jedoch keine höhere Instabilitätsrate bei einliegendem Implantat, verglichen mit der Gruppe ohne Implantat. Patient*innen ohne Implantat wurden häufiger operiert als Patient*innen mit Implantat (26,5% vs. 17,4%).
Diskussion und Schlussfolgerung: Ein einliegendes Implantat war nicht mit einem erhöhten Instabilitätsgrad geriatrischer Beckenringfrakturen assoziiert. Jedoch traten in der Gruppe mit Implantat häufiger isolierte Frakturen des vorderen oder hinteren Beckenrings auf, was auf implantatabhängige biomechanische Einflüsse hindeutet. Untersuchungen mit größeren Fallzahlen und biomechanische Untersuchungen sind erforderlich, um diese Zusammenhänge weiter zu untersuchen.




