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36. Kongress der Deutschen Kontinenz Gesellschaft e.V.

Deutsche Kontinenz Gesellschaft e.V.
14.-15.11.2025
Bielefeld


Meeting Abstract

Der weite Hiatus genitalis – welche (operative) Therapie kann der Patientin angeboten werden?

Valerie Meister 1
Christoph Anthuber 1
1Klinikum Starnberg, Starnberg, Deutschland

Text

In Deutschland werden pro Jahr knapp 700.000 Kinder geboren, davon 2/3 vaginal [1]. Ca. 19 % der Erstgebärenden zeigen postpartal Verletzungen und/oder anatomische Veränderungen des M. levator ani [2], z.B. klinisch oder bildgebend (3D Sonographie, MRT) erkennbar an den sog. Levatoravulsionen und einem sehr weiten Hiatus genitalis, meist kombiniert mit einem Deszensus genitalis und Störungen der Beckenbodenfunktion (z.B. Harninkontinenz). Risiko-steigernd sind u.a. ein Alter >35 Jahre und ein kindliches Schätzgewicht >4000 g [2], [3]. Die konservativen und operativen therapeutischen Möglichkeiten sind bislang sehr begrenzt, kaum evidenzbasiert und mit höherem Rezidivrisiko verbunden. Zur operativen Korrektur einer Levatoravulsion wurden zuletzt neuere transvaginale Operationstechniken beschrieben [4]. Diese adressieren jedoch nur die Re-Fixation des von der Beckenwand abgewichenen M. levator ani, korrigieren nach unserem Kenntnisstand aber nicht den weiten Hiatus genitalis. Letzteres gelingt nur durch die dorsale, mediane Vereinigung der Levatoren vor dem Rektum im Zuge z.B. einer klassischen Kolporrhaphia posterior, die allerdings zur Vermeidung von Vaginalstenosen mit größter Vorsicht zu erfolgen hat. Diese operativen Therapieoptionen sollen im Rahmen dieser Präsentation vorgestellt und kritisch diskutiert werden.


Literatur

[1] Statistisches Bundesamt (Destatis). Geburten. Verfügbar unter: https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Geburten/_inhalt.html
[2] DeLancey JOL, Masteling M, Pipitone F, LaCross J, Mastrovito S, Ashton-Miller JA. Pelvic floor injury during vaginal birth is life-altering and preventable: what can we do about it? Am J Obstet Gynecol. 2024 Mar;230(3):279-294.e2. DOI: 10.1016/j.ajog.2023.11.1253
[3] Alketbi MSG, Meyer J, Robert-Yap J, Scarpa R, Gialamas E, Abbassi Z, Balaphas A, Buchs N, Roche B, Ris F. Levator ani and puborectalis muscle rupture: diagnosis and repair for perineal instability. Tech Coloproctol. 2021 Aug;25(8):923-933. DOI: 10.1007/s10151-020-02392-6
[4] Ris F, Alketbi M, Scarpa CR, Gialamas E, Balaphas A, Robert-Yap J, Skala K, Zufferey G, Buchs NC, Roche B. Levator ani repair by transvaginal approach. Tech Coloproctol. 2019 Feb;23(2):167-169. DOI: 10.1007/s10151-018-1907-x