28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.
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Tympanale präoperative ECERA (TympEALR) und tympanale präoperative funktionelle Nahinfrarotspektroskopie (Tymp-fNIRS) als Alternative zu trans-tympanalen Tests bei unklaren CI-Kandidat*innen
Text
Fragestellung: Patienten durchlaufen eine Vielzahl von audiologischen Tests, um ihre Eignung für ein Cochlea-Implantat festzustellen. Eine entscheidende Untersuchung ist die Messung der auditorischen Hirnstammreaktion (ABR) auf akustische Reize. In bestimmten Fällen wird auch bei maximaler Schallstimulation keine Reaktion ausgelöst.
Methoden: Der Promontoriumstest stimuliert den Hörnerv elektrisch, woraufhin das Gefühl zugeordnet werden muss, also eine subjektive Einschätzung durch Patient*innen erfolgt. Für optimale Ergebnisse wird die Elektrode nach dem Öffnen des Trommelfells in das Mittelohr eingeführt. Diese Technik, in Verbindung mit PromBERA und PromCERA, hilft bei der Bestimmung des Vorhandenseins und der Erregbarkeit des Hörnervs auf objektive Weise. Eine alternative Messung ist die TympECERA, was einer tympanalen Variante der PromCERA entspricht. Frühere Studien haben gezeigt, dass es möglich ist, Hirnstamm- und kortikale Potenziale durch transtympanale elektrische Stimulation abzuleiten, was eine objektive Bewertung der Integrität des Hörnervs ermöglicht und das Potenzial hat, die Empfindungen der Patienten zu objektivieren. Dazu wird ein Einzelfall gezeigt, in welchem die Tymp-fNIRS genutzt wurde. Sie kombiniert die Stimulationsmethode der TympECERA mit der Messmethode fNIRS. Die zugrundeligende Technik fNIRS profitiert davon, dass im Gegensatz zu Messungen wie ECERA aus dem Bereich der eAEP keine elektrischen Artifakten Einfluss auf die Messung haben.
Ergebnisse: Mit der TympECERA wurden sechzehn Personen untersucht. Bei sieben dieser Personen wurde eine positive Reaktion beobachtet. Die Morphologie ähnelte der anderer EALRs, wie z.B. denen, die Cochlea-Implantate oder trans-tympanale Stimulationselektroden verwenden. Im Vergleich zu anderen ECERA wurde ein größerer Einfluss von elektrischen Artefakten festgestellt. Der Einzelfall der Tymp-fNIRS zeigt, dass eine Aktivierung des auditorischen Kortex gemessen werden kann.
Schlussfolgerungen: Bei fast fünfzig Prozent der Studienteilnehmer führte tympEALR zu positiven Ergebnissen, was invasive Eingriffe überflüssig machen könnte. Transtympanale Methoden könnten effektiv durch TympEALR ersetzt werden. Zusätzliche Forschung ist erforderlich, um festzustellen, ob ein negatives Ergebnis darauf hindeutet, dass eine Cochlea-Implantation nicht empfohlen wird. Eine mögliche Methode zur alternativen Messung könnte die Tymp-fNIRS darstellen.
Literatur
[1] Polterauer D, Neuling M, Simon F. Tympanic Pre-Operative Electrically Evoked Auditory Late Response (TympEALR) as an Alternative to Trans-Tympanic Tests Using Anesthesia in Cochlear Implant Candidacy. J Clin Med. 2024 Dec 12;13(24):7573. DOI: 10.3390/jcm13247573[2] Polterauer D, Mandruzzato G, Neuling M, Polak M, Müller J, Hempel JM. Evaluation of auditory pathway excitability using a pre-operative trans-tympanic electrically evoked auditory brainstem response under local anesthesia in cochlear implant candidates. Int J Audiol. 2023 Dec;62(12):1176-1186. DOI: 10.1080/14992027.2022.2114024



