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28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Audiologie e. V.
04.-06.03.2026
Oldenburg

Meeting Abstract

Mindestens 20% Verbesserung im Sprachverstehen postop mit CI – in allen Fällen?

Ben Williges - Universitätsmedizin Essen, Klinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie, Essen, Deutschland
Maximilian Eder - Universitätsmedizin Essen, Klinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie, Essen, Deutschland
Max Blümer - Universitätsmedizin Essen, Klinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie, Essen, Deutschland
Diana Arweiler-Harbeck - Universitätsmedizin Essen, Klinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie, Essen, Deutschland

Text

Einleitung: Ein Indikationskriterium für Cochlea Implantationen (CI) ist eine erwartete Verbesserung des Sprachverstehens postoperativ. Das Weißbuch der DGHNO-KC empfiehlt eine Verbesserung des Sprachverstehens um mindestens 20% im Mittel der Patienten im Vergleich zum präoperativen Ergebnis.

In dieser Arbeit wurde untersucht, welcher Anteil der versorgten Patienten dieses individuell abhängige Ziel erreichte. Dabei wurden insbesondere auch Faktoren, die den Hörerfolg beeinflussen und Einfluss auf dieses Minimalziel nehmen können, wie z.B. Äthiologie, Dauer des Hörverlustes, Alter, und präoperatives Sprachverstehen berücksichtigt.

Methoden: In dieser monozentrischen retrospektiven Analyse wurden 285 Implantationen an erwachsenen Patienten im Zeitraum von 2017 bis 2022 eingeschlossen. Das versorgte Sprachverstehen im Freiburger Einsilber bei 65 dB SPL wurden prä-, sowie 1 und 2 Jahre postoperativ ausgewertet. Zusätzlich wurde die Ätiologie und Dauer des Hörverlustes, das Alter und das präoperative Hörverstehen erfasst und mittels generalized linear mixed models regressiert. Ausschlusskriterien waren ungenügende Datenlage prä- oder postoperativ, sowie Cross-Versorgung bei normalhörendem Gegenohr.

Ergebnisse: Nach einem Jahr erreichten 71,6% der Patienten das 20% Kriterium, nach zwei Jahren 73,2%. Signifikante Effekte zeigten sich für die Hörverlustdauer (negativ), präoperatives Sprachverständnis (negativ), sowie Ätiologie (positiv oder negativ). Das Alter zeigte keinen signifikanten Einfluss.

Schlussfolgerungen: Die Mehrheit der Patienten erreichte die empfohlene 20% Sprachverbesserung mit CI. Zur Setzung von patientenindividuellen Zielen auch jenseits des Sprachverstehens sind Einflussfaktoren wie Ätiologie, präoperatives Hörvermögen und die Hörverlustdauer zu berücksichtigen.


Literatur

[1] Lazard DS, Vincent C, Venail F, Van de Heyning P, Truy E, Sterkers O, Skarzynski PH, Skarzynski H, Schauwers K, O'Leary S, Mawman D, Maat B, Kleine-Punte A, Huber AM, Green K, Govaerts PJ, Fraysse B, Dowell R, Dillier N, Burke E, Beynon A, Bergeron F, Başkent D, Artières F, Blamey PJ. Pre-, per- and postoperative factors affecting performance of postlinguistically deaf adults using cochlear implants: a new conceptual model over time. PLoS One. 2012;7(11):e48739. DOI: 10.1371/journal.pone.0048739