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28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Audiologie e. V.
04.-06.03.2026
Oldenburg

Meeting Abstract

Simultane Messung von eCAP und eABR

Florian Schmidt - Universitätsmedizin Rostock, Rostock, Deutschland
Tobias Oberhoffner - MED-EL Elektromedizinische Geräte DE GmbH, Starnberg, Deutschland
Lichun Zhang - Universitätsmedizin Rostock, Rostock, Deutschland
Robert Mlynski - Universitätsmedizin Rostock, Rostock, Deutschland

Text

Einleitung: Bei Cochlea-Implantationen (CI) sind intraoperative Messungen elektrisch evozierter Hirnstammantworten (eABR) oft wegen kurzer Operationszeiten eingeschränkt. Stattdessen wird meist das elektrisch evozierte Summenaktionspotential (eCAP) gemessen, da es schnell über den Elektrodenträger gemessen werden kann und die Funktion der Spiralganglienzellen und die Elektroden-Nerven-Interaktion widerspiegelt. eABR liefert jedoch wichtige Zusatzinformationen, insbesondere bei Komplikationen oder bei Kindern, bei denen subjektive Eindrücke begrenzt erfassbar sind. Ziel der Studie ist die Entwicklung eines Messaufbaus zur simultanen Erfassung von eCAP und eABR.

Methode: Bei der CI-Versorgung mit der FLEXsoft-Elektrode (Med-El) wurden intraoperative eCAP- und eABR-Messungen apikal (E2–E3) simultan durchgeführt. 21 Stimulationsstufen (0–25qu, je 500 Wiederholungen) sowie eine AutoART-Kontrollmessung (bis 40qu) kamen zum Einsatz. Ausgewertet wurden N1- und P2-Komponenten (≅ ej1) der eCAP sowie die ej5-Komponente der eABR; Amplitudenwachstumsfunktionen dienten zur Bestimmung der Schwelle, die anschließend korreliert wurden.

Ergebnisse: In der laufenden Studie konnten bisher 17 Ohren eingeschlossen werden. In 58% der Fälle ließen sich eCAP-, in 88% der Fälle AutoART- und in 76% der Fälle eABR-Antworten ableiten. Zwischen den Schwellen von ART und AutoART zeigte sich eine Korrelation von RART,AutoART = 0.54 (p = 0.14) von ej1 und ej5 zeigte sich ein ähnlicher Trend (RART,ABR=0.70, p=0.08 und RAutoART,ABR=0.70, p = 0.01).

Zusammenfassung: Sowohl eCAP als auch eABR konnten zuverlässig abgeleitet und die AWFs bestimmt werden. In einigen Fällen konnte trotz messbarer AutoART-Schwelle keine ART-Schwelle bestimmt werden, was auf den geringeren Stimulationsbereich der simultanen Messung zurückzuführen ist. In zwei Fällen war jedoch trotz nachweisbarer eCAP keine eABR messbar. Bei diesen Patienten zeigte sich eine langsamere Progression im postoperativen Sprachverstehen. Dies könnte ein Hinweis sein für eine zentrale Verarbeitungsstörung, die bei einer Prävalenz von 12 % in dieser Studie die Bedeutung der Erfassung von eABR unterstreicht.