28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.
28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.
Objektive intraoperative Diagnostik bei Cochlea-Implantaten: Erfahrungen mit ANTS und eBERA
Text
Zielsetzung: Die präzise Beurteilung der Funktion von Cochlea-Implantaten (CI) ist von entscheidender Bedeutung für eine erfolgreiche Hörrehabilitation. Diese Studie untersucht die Anwendung des MedEl Auditory Nerve Test Systems (ANTS) und der elektrophysiologischen Hirnstammaudiometrie (eBERA) als objektive Instrumente zur Evaluierung der Funktionalität des Hörnervs und des Hirnstamms bei CI-Trägern.
Methoden: Es wurden intraoperative Messungen mittels ANTS und/oder eBERA bei einer Kohorte von 73 CI-Patienten durchgeführt (45 Kinder, 28 Erwachsene). ANTS ermöglichte die Beurteilung der elektrischen Erregbarkeit des Hörnervs, während eBERA zur objektiven Messung der Hörschwelle nach elektrischer Stimulation verwendet wurde. Die Ergebnisse beider Verfahren wurden mit den postoperativen Sprachverständniswerten (einschließlich FNA4 und ESV65) korreliert.
Ergebnisse: Von 11 ANTS-Anwendungen entfielen die Indikationen auf vier Patienten mit Surditas, vier mit Akustikusneurinom (AKN) und vier mit Verdacht auf Hörnerv-Dysplasie/Aplasie. Nur bei Patienten mit Surditas konnten FAEPs (früh akustisch evozierte Potenziale) über ANTS/eBERA nachgewiesen werden. Von diesen elf Patienten erhielten sieben ein CI (vier mit, drei ohne nachweisbare Potentiale). Alle zeigten eine gute Hörgewinnkurve, sechs von sieben erzielten ein Einsilberverstehen.
Insgesamt wurden 73 Ohren (18 bilaterale CIs) analysiert. 45 Kinder und 28 Erwachsene. Das Durchschnittsalter der Kinder lag bei 1,8 Jahren ± 2,1, und bei Erwachsene lag bei 52,1 ± 18,8. Bei den Kindern wiesen 33 Ohren positive Messwerte in der eBERA (Gruppe A) auf und 12 Ohren keine oder unvollständige Messwerte (Gruppe B). Bei den Erwachsenen gab es 14 positive (Gruppe C) und 14 negative (Gruppe D) eBERA Messungen. Es zeigte sich kein statistisch signifikanter Unterschied nach CI Versorgung in Bezug auf Hörschwelle (FNA4) oder Einsilberverstehen (ESV65) zwischen den allen Gruppen.
Schlussfolgerung: Die Anwendung von ANTS oder eBERA stellt ein wertvolles Werkzeug zur objektiven Beurteilung der auditorischen Funktion bei CI-Patienten dar. Trotz fehlender prädiktiver Aussagen bezüglich der postoperativen Ergebnisse liefert die Analyse dieser Verfahren wichtige Einblicke in die Funktionalität des Hörsystems und zeigt die Notwendigkeit für weitere Studien, um die prädiktive Aussagekraft zu validieren.



