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28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Audiologie e. V.
04.-06.03.2026
Oldenburg

Meeting Abstract

Motivation trifft Technik: Akzeptanzbedingungen von Remote Care in der CI-Nachsorge

Maika Werminghaus - Universitätsklinik Düsseldorf, Hörzentrum, Düsseldorf, Deutschland
Susann Thyson - Universitätsklinik Düsseldorf, Hörzentrum, Düsseldorf, Deutschland
Nora Sieverding - Universitätsklinik Düsseldorf, Hörzentrum, Düsseldorf, Deutschland
Emily Breitenbach - Universitätsklinik Düsseldorf, Hörzentrum, Düsseldorf, Deutschland
Thomas Klenzner - Universitätsklinik Düsseldorf, Hörzentrum, Düsseldorf, Deutschland

Text

Fragestellung: Digitale Nachsorgekonzepte gewinnen in der CI-Versorgung an Bedeutung, sie erfordern jedoch technologische Kompetenz und Akzeptanz der Patient:innen. Während bisherige Studien primär die technische Machbarkeit untersuchten, sind psychosoziale und motivationale Einflussfaktoren bislang wenig beleuchtet. Ziel dieser Studie war es, Motivation, digitale Gesundheitskompetenz und Technikaffinität von CI-Träger:innen zu erfassen und Akzeptanzbedingungen aus quantitativer und qualitativer Perspektive zu analysieren.

Methoden: Im Rahmen einer explorativ-sequentiellen Mixed-Methods-Studie wurden 62 Patient:innen (M = 56 J., SD = 15) mittels standardisierter Fragebögen (ACTA-, ATI-, GR-eHEALS-Skalen) sowie drei strukturierter Gruppeninterviews (n = 9) untersucht.

Ergebnisse: Quantitativ zeigten sich signifikant höhere Werte für selbstbestimmte gegenüber extern kontrollierter Motivation (t(61)=-12,75, p<.001). Wahrgenommene Kompetenz korrelierte stark mit selbstbestimmter Motivation (ρ=.60, p<.001) und Technikaffinität (ρ=.54, p<.001). Technikaffinität (β=.08, p<.001) erwies sich als positiver und Alter (β=-.03, p=.017) als negativer Prädiktor der Kompetenz. Qualitativ betonten Teilnehmende Zeit- und Wegeersparnis sowie Autonomie und Flexibilität, sahen jedoch Hürden in Technikverständnis, Datenschutz und fehlendem persönlichen Kontakt. Motivation resultierte häufig aus Neugier und wahrgenommener Gesundheitsrelevanz; technische Unsicherheiten minderten die langfristige Nutzungsmotivation.

Schlussfolgerung: Die Ergebnisse zeigen, dass die Akzeptanz von Remote Care wesentlich durch selbstbestimmte Motivation, Technikaffinität und wahrgenommene Kompetenz bestimmt wird. Ältere und weniger digital erfahrene Patient:innen benötigen gezielte Begleitung. Digitale Nachsorgeangebote mit klaren Rückmeldungen, niedrigschwelliger Unterstützung und optionalem persönlichem Kontakt können Motivation, Autonomie und Versorgungsqualität langfristig fördern.