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28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Audiologie e. V.
04.-06.03.2026
Oldenburg

Meeting Abstract

Fernanpassung von CI-Soundprozessoren: Machbarkeit und Akzeptanz

Sven Kliesch - Medizinische Hochschule Hannover, Deutsches Hörzentrum Hannover, HNO Klinik, Hannover, Deutschland
Martina Brendel - Advanced Bionics GmbH, European Research Center, Hannover, Deutschland
Thomas Lenarz - Medizinische Hochschule Hannover, Deutsches Hörzentrum Hannover, HNO Klinik, Hannover, Deutschland
Andreas Büchner - Medizinische Hochschule Hannover, Deutsches Hörzentrum Hannover, HNO Klinik, Hannover, Deutschland

Text

Zielsetzung: Die steigende Zahl an Cochlea-Implantat (CI)-Nutzern sowie die zunehmende Belastung des Gesundheitssystems verdeutlichen die Notwendigkeit einer effizienten Nachsorge von CIs. Der Einsatz von Telemedizin bietet das Potenzial, räumliche Distanzen zwischen Fachpersonal und Patient zu überbrücken und eine effektive sowie ressourcenschonende Versorgung zu ermöglichen. Die vorliegende Studie untersucht daher die Anpassung von CI-Soundprozessoren und Hörgeräten aus der Ferne, um deren Praxistauglichkeit und Nutzen unter kontrollierten Bedingungen zu evaluieren.

Methoden: Insgesamt wurden zwölf erwachsene CI-Nutzer in die Studie eingeschlossen. Voraussetzung für die Teilnahme war die Verwendung eines Naída CI M Soundprozessors der Firma Advanced Bionics sowie, im Falle einer bimodalen Versorgung, eines kontralateral getragenen Naída Link M Hörgeräts der Firma Phonak. Nach einer konventionellen Anpassung beim ersten Studientermin wurde das Sprachverstehen mithilfe des Oldenburger Satztests (OLSA) im Störgeräusch gemessen. Zwei Wochen später erfolgte eine Fernanpassung im privaten Umfeld des Patienten. Bei einem zweiten Studientermin wurde die im Rahmen der Fernanpassung erstellte CI-Einstellung erneut mithilfe des OLSA überprüft. Sowohl die Studienteilnehmer als auch der Audiologe füllten anschließend Fragebögen zu ihren Erfahrungen hinsichtlich der Fernanpassung und der Handhabung der verwendetet App aus.

Ergebnisse: Die Daten zeigen keine signifikanten Unterschiede im Sprachverstehen zwischen der konventionellen Anpassung und der Fernanpassung. Die Auswertung der Fragebögen ergab, dass alle Beteiligten überwiegend positive Erfahrungen mit der Fernanpassung gemacht haben. Besonders hervorgehoben wurden Zeit- und Kostenersparnisse durch die nicht erforderliche Anreise.

Schlussfolgerung: Die Ergebnisse zeigen eine hohe Akzeptanz der Fernanpassung. Das Sprachverstehen ist unabhängig von der Anpassmethode, und die Resonanz der Teilnehmer war überwiegend positiv. Fernanpassungen können daher wesentlich dazu beitragen, die klinische Nachsorge von CIs flexibler und effizienter zu gestalten. Allerdings fehlen in den derzeitigen Vergütungssystemen spezifische Regelungen für telemedizinische Anpassungen von CIs, was für eine breite Implementierung im klinischen Alltag künftig berücksichtigt werden muss.