28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.
28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.
Klinische Evaluation von Augmented-Reality-Brillen zur Rehabilitation von Hörverlust bedingten Kommunikationsstörungen
Text
Einleitung: Für spezifische Patientengruppen, welche für eine operative Versorgung mit einem Cochlea-Implantat oder eine Hörgeräteversorgung nicht infrage kommen, können Augmented-Reality-Brillen (AR-Brillen) eine Alternative darstellen (bspw. bei vorliegender prä- und postlingualer Surditas sowie funktioneller Surditas mit Kontraindikationen zur hörverbessernden Operation). Mittels Spracherkennenung können Gespräche simultan in ein auf dem Brillenglas erscheinendes Schriftbild übersetzt werden und so hörgeschädigten Patienten visuell vermittelt werden (speech to text). In der klinischen Forschung ist dieser Ansatz bislang unterrepräsentiert. Die vorliegende Studie stellt die erste klinische Evaluation einer Anwendung von AR-Brillen bei Patienten mit spezifischer Indikation dar.
Material und Methoden: Der Studie lagen 5 Patienten zugrunde (prä (3)- und postlinguale Surditas (1) sowie funktionelle Surditas auf dem Boden einer chronischen Otitis media mit fehlendem Operationswunsch (1)). Es erfolgte eine Evaluation mittels einer Visuellen-Analog-Skala (VAS) zur persönlichen Verbesserung der Kommunikation (0 – keine Verbesserung; 5 – hohe Verbesserung). Darüber hinaus wurden Präferenzen für Brillen mit einer Hardware der 1. und 2. Generation evaluiert.
Ergebnisse: Die Patienten bewerteten die persönliche Verbesserung der Kommunikation als positiv mit einem Mittelwert von 3,8 (VAS 0-5). Bezüglich der Hardware wurde eine klare Präferenz für Brillen der zweiten Generation geäußert. Verbesserungsvorschläge betrafen die fehlende Fähigkeit, zwischen verschiedenen Sprechern zu unterscheiden, den Aufwand beim Lesen längerer Texte und die Verwendung eines Kabels bei Brillen der ersten Generation.
Konklusion: Die vorliegende Studie stellt die erste klinische Evaluation der Kommunikationsverbesserung vermittels AR-Brillen dar. Die positive Einordnung durch die Patienten unterstreicht das Potential einer Ergänzung zu bisherigen Formen der Hörverbesserung bei einem spezifischen Patientenklientel.



