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28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Audiologie e. V.
04.-06.03.2026
Oldenburg

Meeting Abstract

Sprachliche Besonderheiten bei Kindern im Autismus-Spektrum in der UK mitdenken

Lisa Klaar - Universitätsklinikum Münster, Klinik für Phoniatrie und Pädaudiologie, Münster, Deutschland
Marie Just - Teilhabe durch Unterstützte Kommunikation (TUK), Lüneburg, Deutschland
Katrin Neumann - Universitätsklinikum Münster, Klinik für Phoniatrie und Pädaudiologie, Münster, Deutschland
Amélie Hesping - Universitätsklinikum Münster, Klinik für Phoniatrie und Pädaudiologie, Münster, Deutschland
Karen Reichmuth - Universitätsklinikum Münster, Klinik für Phoniatrie und Pädaudiologie, Münster, Deutschland

Text

Hintergrund: Kinder im Autismus-Spektrum (ASS) zeigen häufig qualitative Besonderheiten in der auditiven Wahrnehmung und Sprachverarbeitung. Studien belegen eine verstärkte Fokussierung auf prosodische und akustische Merkmale wie Tonhöhe und Klangmuster, während semantische Informationen weniger konsistent verarbeitet werden. Echolalien, die als distinktives Merkmal autistischer Sprachproduktion gelten, erleben derzeit einen Wandel weg vom pathologischen Symptom hin zur sprachlichen Ressource.

Ziel: Der Beitrag sensibilisiert für autismusspezifische Wahrnehmungs- und Verarbeitungsbesonderheiten und zeigt auf, welche Relevanz diese für Diagnostik und sprachtherapeutisches Handeln haben. Ein besonderer Fokus liegt auf den Implikationen der Erkenntnisse im Kontext der Unterstützten Kommunikation (UK).

Implikationen: Perzeptuelle Besonderheiten beeinflussen frühe Sprachverarbeitung, gemeinsame Aufmerksamkeit und den Aufbau referentieller Bedeutungen. Bei autistischen Kindern können auditorische Systeme Klangmerkmale gegenüber lexikalischer Bedeutung priorisieren. Für die UK-Versorgung ist daher zu beachten: Standardisierte, wortbasierte UK-Systeme orientieren sich an analytischen Spracherwerbsprozessen neurotypischer Kinder und greifen bei autistischen Kindern oft zu kurz. UK-Angebote sollten zunächst auf der Ebene klang- und situationsgeprägter individueller Einheiten anschließen. In der S3-Leitline zur Therapie von Sprachentwicklungsstörungen [1] wird der Einsatz von gesanglich und rhythmisch begleitenden Techniken für Kinder im Autismus-Spektrum empfohlen. Ebenso wird auf die Relevanz von UK-Systemen hingewiesen.

Fazit: Die Berücksichtigung perzeptuell fokussierter Sprachverarbeitung und sensorischer Besonderheiten ist zentral, um Spracherwerbsverläufe autistischer Kinder fachgerecht einzuordnen und UK wirksam einzusetzen. Ressourcenorientierte, entwicklungsnahe und wahrnehmungssensible Interventionen unterstützen den Zugang zu spontaner Kommunikation und fördern partizipative, neurodiversitätsbejahende Versorgung.


Literatur

[1] Neumann K, Kauschke C, Lüke C, et al. Therapie von Sprachentwicklungsstörungen. Interdisziplinäre S3-Leitlinie, Version 1.1, AWMF-Registernr. 049–015. AWMF; 2022.