Wintertagung der Berlin-Brandenburgischen Augenärztlichen Gesellschaft 2025
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Erfahrungen mit dem minimalinvasiven suprachoroidalen Glaukomimplantat
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Hintergrund: Das minimalinvasive suprachoroidale Glaukomimplantat ist ein vielversprechendes Verfahren im Spektrum der minimal invasiven Glaukomchirurgie (MIGS), da die Drucksenkung über die Verbesserung des uveoskleralen Abflusses erreicht werden soll. Es besteht aus porösem, biokompatiblem Material, das eine dauerhafte Kammerwasserableitung bei gleichzeitig geringer Fibrosierung ermöglichen soll. Es wird mit einem Spezialapplikator über eine Hornhautinzision in die Vorderkammer eingeführt und dann unter gonioskopischer Kontrolle in den Suprachorioidalraum implantiert.
Methoden: Retrospektive Analyse von 31 Augen vor und 1 Jahr nach erfolgter Behandlung mit dem minimal invasiven suprachoroidalen Glaukomimplantat bei Patienten mit primärem Offenwinkelglaukom (POWG), Pseudoexfoliations (PEX)-Glaukom und Sekundärglaukom. Folgende Daten wurden prä- und postoperativ erhoben: Visus, Augeninnendruck (applanationstonometrisch gemessen), Notwendigkeit der Anwendung lokaler Antiglaukomatosa und Durchführung eines erneuten glaukomchirurgischen Eingriffes 1 Jahr nach erfolgter Implantation. Zudem wurde das Auftreten postoperativer Komplikationen (Hypotonie <5 mmHg, Glaskörper- und Vorderkammerblutung, Aderhautamotio, malignes Glaukom, Notwendigkeit einer Revisionsoperation) untersucht.
Ergebnisse: Von den 31 behandelten Augen wiesen 84% ein POWG auf, 10% ein PEX-Glaukom und 6% ein Sekundärglaukom. Alle Eingriffe erfolgten in lokaler Anästhesie. In 27 der Augen (87%) erfolgte die alleinige Behandlung mittels suprachoroidalem Implantat, wohingegen in 4 Augen (13%) ein kombinierter Eingriff mittels Cataractoperation erfolgte. Im Mittel sahen wir einen stabilen Visusverlauf von 0,74 (SD 0,21) präoperativ auf 0,8 (SD 0,23) 1 Jahr postoperativ. Der Augeninnendruck sank innerhalb des ersten postoperativen Jahres von präoperativ im Mittel 16,8 mmHg (26-10 mmHg, SD 3,8) auf 14,6 mmHg (22-6 mmHg, SD 3,9). Insgesamt verzeichneten wir bei 7 Augen (3%) eine postoperative Komplikation. Bei 3 Augen trat eine vorübergehende postoperative Hypotonie auf. Eine Vorderkammerblutung trat bei 2 Augen auf und musste bei 1 Auge mittels Vorderkammerspülung behandelt werden. Bei 1 Auge trat postoperativ eine Glaskörperblutung auf und bei 1 weiteren Auge kam es zu einer kombinierten Vorderkammer- und Glaskörperblutung. Bei insgesamt 2 Augen musste das suprachoroidale Glaukomimplantat repositioniert werden. Im Beobachtungszeitraum von 1 Jahr musste aufgrund einer unzureichenden Tensioregulierung bei 2 Augen ein zusätzlicher filtrierender Eingriff durchgeführt werden. 1 Jahr postoperativ bestand bei 40% der Augen eine Tropfenfreiheit, bei 25% eine Einfachtherapie, bei 15% eine Zweifachtherapie und bei 20% eine Dreifachtherapie.
Schlussfolgerung: Die ersten 1-Jahres-Ergebnisse nach Behandlung mit dem minimal invasivem suprachoroidalen Glaukomimplantat zeigen im Mittel einen stabilen Visusverlauf mit Reduktion des Augeninnendruckes um 2,2 mmHg. Schwere postoperative Komplikationen blieben aus. Bei unseren Patienten ließ sich durch das minimal invasive suprachoroidale Glaukomimplantat allein seltener eine tiefnormale Tensiolage erreichen, jedoch bestand eine Tropfenfreiheit in 40%.



