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Wintertagung der Berlin-Brandenburgischen Augenärztlichen Gesellschaft 2025

Berlin-Brandenburgische Augenärztliche Gesellschaft
05.-06.12.2025
Berlin


Meeting Abstract

Filtrierendes 45er-Gelimplantat – minimal invasiv, maximal nachhaltig? Ergebnisse nach 5 Jahren

Sabine Popa 1
D.S. Kruse 1
L.K. Partzsch 1
E. Bertelmann 1
A.-K.B. Maier-Wenzel 1
S. Winterhalter 1
1Berlin – Klinik für Augenheilkunde, Charité Campus Virchow-Klinikum

Text

Ziel: Ziel dieser Studie war es, die Wirksamkeit und Sicherheit der Implantation des filtrierenden 45er-Gelimplantates über einen Beobachtungszeitraum von fünf Jahren zu untersuchen. Im Fokus standen dabei die intraokulare Drucksenkung und die Reduktion der antiglaukomatösen Medikation bei Patienten mit primärem Offenwinkelglaukom. Darüber hinaus wurde analysiert, inwiefern Komplikationen und notwendige Sekundäreingriffe das Langzeitergebnis beeinflussen und welche Bedeutung das Verfahren als minimal-invasives Verfahren in der klinischen Routine hat.

Methoden: In dieser retrospektiven Studie wurden 70 Augen von Patienten mit primärem Offenwinkelglaukom (POWG) eingeschlossen, die sich einer filtrierenden 45er-Gelimplantation unterzogen. Das mittlere Alter der Kohorte betrug 68,2±14,2 Jahre; 42 Patienten waren weiblich und 28 männlich. Der Eingriff erfolgte überwiegend in Allgemeinanästhesie (n=57), in 13 Fällen in Lokalanästhesie. Patienten ohne verwertbare Fünf-Jahres-Daten wurden ausgeschlossen. Der postoperative Verlauf wurde über einen Zeitraum von fünf Jahren dokumentiert. Erfasst wurden der intraokulare Druck (IOD), die Sehschärfe (Visus), die globale retinale Nervenfaserschicht (RNFL) sowie die Anzahl der antiglaukomatösen Medikamente präoperativ und zu definierten Zeitpunkten postoperativ (1 Tag, 6 Wochen, 3,6,12,24,36 und 60 Monate). Zusätzlich wurden Komplikationen, Sekundäreingriffe wie Needlings oder Filterkissenrevisionen sowie Re-Operationen systematisch registriert. Die statistische Auswertung erfolgte mit SPSS Version 29.0.0.0.

Ergebnisse: Der mittlere intraokulare Druck (IOD) konnte signifikant von 20,9±5,2 mmHg präoperativ auf 13,0±3,5 mmHg nach fünf Jahren reduziert werden (p<0,001). Parallel zeigte sich eine deutliche Abnahme der antiglaukomatösen Medikation von 3,2±1,0 auf 1,1±1,1 Präparate (p<0,001). Bei 15 Augen (21,4%) wurde eine vorübergehende postoperative Hypotonie verzeichnet. Im Beobachtungszeitraum wurden insgesamt 82 Needlings durchgeführt, entsprechend mehr als ein Eingriff pro Auge. Darüber hinaus waren bei 22 Patienten (27,8%) Filterkissenrevisionen erforderlich, in 13 Fällen (16,5%) erfolgte eine Re-XEN-Implantation. Der Visus blieb über den gesamten Beobachtungszeitraum weitgehend stabil. Die globale RNFL zeigte über den 5-Jahres-Zeitraum keine signifikante Veränderung (197,4±330,0 μm präoperativ im Vergleich zu 169,3±300,6 μm nach 5 Jahren; p=0,58). Die Art der Anästhesie hatte keinen relevanten Einfluss auf die Langzeitergebnisse (mittlerer IOD 13,2 mmHg bei Allgemeinanästhesie im Vergleich zu 12,0 mmHg bei Lokalanästhesie). Ebenso bestand kein signifikanter Unterschied im IOD zwischen Patienten mit und ohne Needling (13,0±3,1 im Vergleich zu 13,0±3,8 mmHg; p=0,98).

Schlussfolgerung: Das filtrierende 45er-Gelimplantat erwies sich auch im Langzeitverlauf über fünf Jahre als effektives und sicheres Verfahren zur Senkung des intraokularen Drucks und zur Reduktion der antiglaukomatösen Medikation bei Patienten mit primärem Offenwinkelglaukom. Die erzielten Druckwerte blieben stabil und die RNFL zeigte über den Beobachtungszeitraum keine signifikante Veränderung. Trotz einer hohen Rate an Needlings waren schwerwiegende Komplikationen selten und die Sehschärfe konnte erhalten werden. Damit bestätigt sich die Rolle des filtrierenden 45er-Gelimplantates als minimal-invasives filtrierendes Verfahren mit nachhaltiger klinischer Relevanz im Langzeitmanagement des Glaukoms.