Wintertagung der Berlin-Brandenburgischen Augenärztlichen Gesellschaft 2025
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„Monofokal plus“-IOL – brauchen wir sie im klinischen Alltag? Eine Vergleichsstudie im Real-life-Setting
2Brandenburg an der Havel – Technische Hochschule Brandenburg
Text
Einleitung: Mit der Einführung sogenannter „Monofokal-Plus“-Intraokularlinsen steht mittlerweile eine weitere technologische Variante zur Verfügung, die das bestehende Spektrum zwischen monofokalen und multifokalen Linsen im Bereich der Presbyopie-Korrektur ergänzt. Um eine Einordnung hinsichtlich funktioneller Eigenschaften und potenzieller Nebenwirkungen im Real-life-Setting vornehmen zu können, verglichen wir die subjektive Einschätzung nach bilateraler Implantation einer „Monofokal-Plus“-IOL im Vergleich zur Monofokallinse, desselben Herstellers, durch die Patient:innen, anhand eines ausführlichen Fragebogens.
Methoden: Wir führten eine randomisierte und unselektierte, also unabhängig von okulären Vorerkrankungen, bilaterale Implantation einer der folgenden beiden Linsen-Typen durch: Vivinex multiSert XY1-SP (Monofokallinse) versus Vivinex Impress XY1-EM („Monofokal-Plus“ IOL), des Herstellers Hoya Surgical Optics GmbH. Zur Erhebung der optischen Qualität wurde ein Fragebogen, angelehnt an den Quality-of-Vision-QoV24-Fragebogen (McAlinden et al., 2010) mit 21 Fragen in einer fünfstufigen Skala zur qualitativen Ausprägung des Sehens im Alltag genutzt. Insgesamt konnten bisher 61 Patient:innen eingeschlossen werden, 24 in der „Monofokal-Plus“-IOL-Gruppe und 37 in der Monofokal-IOL-Gruppe. Zur weiteren Analyse bildeten wir die Variable „Sehstörungen“ als Mittelwert aller Antworten der abgefragten Items pro Patient. Die Skala weist mit einem Cronbach-Alpha von über 80% eine hohe interne Konsistenz auf. Fehlende Werte wurden mit den Medianen der Gesamtteilnehmer je Frage imputiert. Zur Beurteilung der Gruppenunterschiede wurde der Mann-Whitney-U-Test durchgeführt. Das Signifikanzniveau wurde auf p<0,05 festgelegt.
Ergebnisse: Die neu kreierte Variable „Sehstörungen“, welche die über alle Items erfassten Probleme zusammenfasst, zeigte in der „Monofokal-Plus“-IOL-Gruppe (Median 1,48 [1,30–1,90]) signifikant (p=0,03) geringere Probleme als in der Monofokal-IOL-Gruppe (1,83 [1,45–2,23]). Bei den berichteten Problemen bei Handarbeiten betrug der Median 3,0 [1,0–5,0] in der Monofokal- gegenüber 1,0 [1,0–2,0] in der „Monofokal-Plus“-IOL-Gruppe (p=0,016), im Intermediärbereich 3,0 [1,0–5,0] versus 1,0 [1,0–3,0] (p=0,035), somit zeigten sich statistisch signifikante Vorteile. Tendenzen zeigten sich beim Fernsehen (2,0 [1,0–3,0] versus 1,0 [1,0–2,0] (p=0,058)), bei Computerarbeit (2,0 [1,0–3,0] versus 1,0 [1,0–2,0] (p=0,083)) und bei Halos (1,0 [1,0–1,25] versus 1,0 [1,0–1,0] (p=0,68)). Insgesamt ergaben sich damit konsistente Vorteile für die Hoya „Monofokal-Plus“-IOL, auch wenn nicht in allen Bereichen statistische Signifikanz erreicht wurde.
Diskussion: In den Ergebnissen zeigte sich, dass die „Monofokal-Plus“-IOL im Real-Life-Setting eine signifikant höhere subjektive Qualität im Mittel über alle abfragten Items, sowie signifikant geringere berichtete Probleme aufweist, insbesondere im Nah- und im Intermediärbereich. Dies führen wir auf die erweiterte Tiefenschärfe dieser Linsen zurück. Auf Grund der Ergebnisse und der mutmaßlich umfänglicheren Funktion ohne subjektive Nachteile stellt sich die Frage, ob die klassische monofokale Linse durch eine „Monofokal-Plus“-IOL als Standard ersetzt werden sollte.



