Wintertagung der Berlin-Brandenburgischen Augenärztlichen Gesellschaft 2025
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Einfluss einer Kontaktlinsenkarenz auf die IOL-Berechnung
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Hintergrund: Vor einer Kataraktoperation wird Kontaktlinsenträgern in der klinischen Praxis häufig empfohlen, ihre Linsen für mehrere Tage bis Wochen abzusetzen, um eine zuverlässige Biometrie und eine präzise Intraokularlinsenberechnung zu gewährleisten. Ziel dieser retrospektiven Studie war es, den Einfluss der Kontaktlinsenkarenz auf die Biometriedaten systematisch zu überprüfen.
Methoden: Es wurden retrospektiv 24 IOL-Master-Untersuchungen von 12 Patienten (24 Augen) ausgewertet, jeweils vor und nach einer Kontaktlinsenkarenz. Alle Patienten trugen weiche Kontaktlinsen. Die Dauer der Karenz betrug zwei bis drei Wochen. Analysiert wurden Veränderungen der Keratometrie-Werte, der berechneten Emmetropie sowie der kalkulierten IOL-Stärke.
Ergebnisse: Der durchschnittliche KM Wert betrug vor KL-Karenz 43,52 dpt und nach KL-Karenz 43,53 dpt (n.s.). Die mittlere absolute Veränderung der Keratometrie-Werte betrug 0,24±0,21 dpt. Bei der Emmetropie-Berechnung ergab sich eine mittlere absolute Veränderung von 0,22±0,17 dpt. Bei 14 der 24 untersuchten Augen führte die erneute IOL-Berechnung nach Kontaktlinsenkarenz zu einer Änderung der ausgewählten IOL-Stärke (0,5 dpt–1,0 dpt).
Schlussfolgerung: Die Ergebnisse zeigen, dass die Unterschiede nach einer zweiwöchigen Kontaktlinsenkarenz klinisch nur geringfügig ausfallen. Es ergab sich bei über der Hälfte der untersuchten Augen nach Kontaktlinsenkarenz eine Abweichung in der IOL-Stärke der ausgewählten Linse, jedoch in unterschiedlicher Richtung. Ein präoperativer Verzicht auf Kontaktlinsen über etwa 14 Tage erscheint daher sinnvoll.



