Jahrestagung der Vereinigung Westdeutscher Hals-Nasen-Ohren-Ärzte 2026
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Okzipitale cranio-spinale Fistel bei abnormer Hyperpneumatisation des Neurokraniums – interdisziplinäre Versorgung eines seltenen Falles
Text
Einleitung: Cranio-spinale Fisteln sind seltene Pathologien, deren Ursprung meist traumatisch oder postoperativ ist. Wir berichten über einen Fall einer okzipitalen Fistel bei einem 60-jährigen Patienten ohne Unfall- oder Operationsanamnese.
Methoden: Der Patient stellte sich mit seit mehreren Jahren bestehenden Schmerzen bei Kopfbewegungen sowie mit passagerer Hypästhesie der rechten Körperseite im Rahmen eines Valsalva-Manövers vor. Die CT-Bildgebung zeigte eine ausgeprägte Pneumatisation der rechten Felsenbeinspitze mit Ausdehnung ventral in den Klivus und einer Öffnung zur Sinus sphenoidalis sowie dorsal zum Os occipitale. Dabei bestand ein knöcherner Defekt rechtsseitig, über den Luft in die Weichteile und in den Spinalkanal bzw. dorsal des Os occipitale austreten konnte. Die Operation erfolgte interdisziplinär (HNO/Neurochirurgie).
Ergebnisse: 02.2025 erfolgte der Fistelverschluss mittels autologer Bauchfettimplantation über eine okzipitale Craniotomie und Mastoidektomie rechts unter Neuromonitoring. Der Fistelgang konnte durch Einbringen des Bauchfettes sowohl im Bereich des Kondylus der medialen Kante zum Foramen magnum als auch durch Einbringung ins Mastoid erfolgreich obliteriert werden. Die retroaurikuläre Erweiterung ermöglichte die vollständige Abdichtung bis zur Eustachischen Röhre. Der postoperative Verlauf war komplikationslos. Es zeigte sich kein Fistelrezidiv, die Beschwerden bildeten sich vollständig zurück.
Diskussion: Die spontane Ausbildung einer cranio-spinalen Fistel ohne prädisponierende Faktoren ist sehr selten. Abnorme Pneumatisationen des Schädels bilden hierbei die anatomische Grundlage für die Entstehung solcher Fisteln. Der interdisziplinäre operative Ansatz ermöglichte eine vollständige Sanierung. Der Fall unterstreicht die Bedeutung einer individuellen Therapieplanung sowie die Wichtigkeit der interdisziplinären Zusammenarbeit bei seltenen Schädelbasispathologien.



