Viszeralmedizin NRW 2026. 192. Jahrestagung der Niederrheinisch-Westfälischen Gesellschaft für Chirurgie, 34. Jahrestagung der Gesellschaft für Gastroenterologie
Viszeralmedizin NRW 2026. 192. Jahrestagung der Niederrheinisch-Westfälischen Gesellschaft für Chirurgie, 34. Jahrestagung der Gesellschaft für Gastroenterologie
Untersuchung klinischer Zeichen, laborchemischer Werte und Scores zur präoperativen Differenzierung zwischen einer unkomplizierten und einer komplizierten Appendizitis
Text
Hintergrund und Ziel: Die präoperative Differenzierung zwischen unkomplizierter und komplizierter Appendizitis ist entscheidend für die Wahl der Therapiestrategie (Operation vs. Antibiotika). Trotz der klinischen Relevanz fehlen bisher klare Leitlinienempfehlungen für eine sichere prätherapeutische Klassifizierung. Ziel dieser multizentrischen retrospektiven Studie war es, die prädiktive Genauigkeit klinischer Zeichen (Blumberg-, Lanz-, McBurney-Zeichen), laborchemischer Marker (Leukozyten, CRP, Procalcitonin) und Scoring-Systeme (modifizierter Alvarado-Score, MAS) zu evaluieren. Besonders im Fokus stand die Identifikation von Risikofaktoren für komplizierte Verläufe, um die präoperative Entscheidungsfindung zu optimieren.
Methode: Eingeschlossen wurden Patienten mit akuter Appendizitis, die in zwei zehnwöchigen Zeiträumen 2019 und 2020 in 41 deutschen chirurgischen Kliniken behandelt wurden. Analysiert wurden klinische Befunde, Entzündungsparameter sowie der modifizierte Alvarado Score (MAS). Primäres Ziel war die Identifikation präoperativer Prädiktoren für komplizierte Verläufe.
Ergebnis: Insgesamt wurden 1.915 Patienten ausgewertet, davon 60,9% mit komplizierter Appendizitis. Ein positives McBurney- und Blumberg-Zeichen, höhere MAS-Werte sowie erhöhte Leukozytenzahlen und CRP-Spiegel waren signifikant mit komplizierten Verläufen assoziiert. Die diagnostische Trennschärfe blieb jedoch moderat (AUC MAS = 0,671; Leukozyten = 0,657; CRP = 0,682). In der multiplen Regressionsanalyse erwiesen sich Alter, Leukozyten und CRP als unabhängige Prädiktoren.
Zusammenfassung: Klinische Zeichen, Scores und Entzündungsparameter korrelieren mit komplizierten Appendizitiden, zeigen jedoch einzeln nur begrenzte diagnostische Aussagekraft. Sie können die klinische Beurteilung ergänzen, aber nicht ersetzen. Zukünftige Studien sollten kombinierte, validierte Scoring-Systeme unter Einbezug der sonographischen Befunde entwickeln, um die präoperative Entscheidungsfindung unter Vermeidung aufwändiger oder strahlenbelastender Schnittbildgebungen zu verbessern.



