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Viszeralmedizin NRW 2026. 192. Jahrestagung der Niederrheinisch-Westfälischen Gesellschaft für Chirurgie, 34. Jahrestagung der Gesellschaft für Gastroenterologie


18.-19.06.2026
Dortmund

Meeting Abstract

Langzeitüberleben und neurologische Remission nach Lebertransplantation bei Morbus Wilson: Ergebnisse einer retrospektiven Monozenter-Analyse über drei Dekaden

C. Schütte - Universität Duisburg-Essen, Medizinische Fakultät, Essen, Deutschland
S. Beckebaum - Universitätsklinikum Essen, Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Transplantationsmedizin, Essen, Deutschland
M. Schmidt - Universitätsklinikum Essen, Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Transplantationsmedizin, Essen, Deutschland
J. Büttner - Universitätsmedizin Berlin, Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Hepatologie und Gastroenterologie, Berlin, Deutschland
J. Best - Universitätsklinikum Essen, Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Transplantationsmedizin, Essen, Deutschland
L. Buchholz - Universitätsklinikum Essen, Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Transplantationsmedizin, Essen, Deutschland
M. Krawczyk - Universitätsklinikum Essen, Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Transplantationsmedizin, Essen, Deutschland
S. Kathemann - Universitätsklinikum Essen, Klinik für Kinderheilkunde II, Essen, Deutschland
E. Lainka - Universitätsklinikum Essen, Klinik für Kinderheilkunde II, Essen, Deutschland
L. Pape - Universitätsklinikum Essen, Klinik für Kinderheilkunde II, Essen, Deutschland
U. Neumann - Universitätsklinikum Essen, Klinik für Allgemein-, Viszeral , Gefäß- und Transplantationschirurgie, Essen, Deutschland
H. H. Schmidt - Universitätsklinikum Essen, Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Transplantationsmedizin, Essen, Deutschland

Text

Hintergrund und Ziel: Der Morbus Wilson ist eine seltene autosomal-rezessive Kupferspeicherkrankheit, die durch Mutationen im ATP7B-Gen verursacht wird. Die resultierende Störung der biliären Kupferexkretion führt zur toxischen Kupferakkumulation in der Leber und im Zentralnervensystem. Da die Lebertransplantation (LTx) den zugrunde liegenden genetischen Defekt im Zielorgan funktionell korrigiert, wird sie konzeptionell als „funktionelle Gentherapie durch Organersatz“ betrachtet. Ziel dieser Studie war die Evaluation der klinischen Langzeitresultate nach LTx am Universitätsklinikum Essen.

Methode: In dieser monozentrischen retrospektiven Kohortenstudie wurden alle Patienten (n=30) analysiert, die zwischen 1993 und 2024 am UK Essen aufgrund eines Morbus Wilson transplantiert wurden. Die Diagnose wurde anhand klinischer, laborchemischer (z.B. Caeruloplasmin, Kupferextretion) und histopathologischer Parameter (Rhodanin-Färbung, Kupfergehalt im Explantat) validiert. Das Langzeitüberleben wurde mittels Kaplan-Meier-Analyse bestimmt.

Ergebnis: Das mittlere Alter der Empfänger lag bei 25,2 ± 10,3 Jahren. Bei 13 Patienten bestand eine High-Urgency-LTx-Indikation bei fulminantem Verlauf (Wilson-Krise); der mittlere MELD-Score betrug 26,3 ± 10,3. Die mediane Nachbeobachtungszeit lag bei 116,6 Monaten (Range: 0,7–372). Die 5-Jahres-Überlebensrate betrug 85%. Bemerkenswerterweise waren im gesamten Beobachtungszeitraum keine Retransplantationen erforderlich. Histologisch zeigten 67% der Explantate einen erhöhten Leberkupfergehalts im Explantat mit Werten von bis zu 1437 µg/g Trockengewicht (Referenz: <50 µg/g). Bei Patienten mit primär neurologischer Manifestation (n=6) kam es in 50% der Fälle zu einer vollständigen Remission nach LTx.

Zusammenfassung: Beim Morbus Wilson stellt die Lebertransplantation eine kurative sowie „funktionelle Gentherapie“ mit exzellentem Langzeitüberleben dar, wobei durch den Organersatz der Kupferstoffwechsel normalisiert wird. Während die hepatische Heilung unmittelbar erfolgt, bleibt die Indikationsstellung bei primär neurologischer Symptomatik eine komplexe interdisziplinäre Einzelfallentscheidung.